Paris

Dienstagmorgen mache ich mich wieder zum Bahnhof Barcelona-Sants auf. Von den Gleisen des Bahnhofs ist nichts überirdisch zu sehen; nachdem der Zug losfährt fahren wir die ersten 10 Minuten in einem Tunnel unter Barcelona. Der Zug bummelt sich noch ein wenig an der Küste entlang, hält für ein TGV relativ oft, zuletzt in Valence, noch knapp 500km von Paris entfernt. Danach schaltet er auf Full-TGV-Mode, und fährt ohne Halt und mit knapp 300km/h bis zur Gare de Lyon in Paris.

Ich organisiere mir eine Navigo Easy Karte mit 10 Fahrten für den Nahverkehr und nehme die Metro bis zu meinem Hotel im Viertel Le Marais, ein Tipp von Steffen. Le Marais ist belebt, gefühlt sind über 50% der Erdgeschossflächen in der Gegend gastronomisch genutzt. Einige Zeit vorher waren Karin und Ramsi auch in Paris, haben auch in dem Viertel gewohnt und mir einige Tipps gegeben. Am Abend probiere ich im „Au Bourguignon Du Marais“ eine französiche Zwiebelsuppe und ein Boeuf Bourguignon. Leckeres Essen, freundlich-kompetentes Personal, doch zum Ende des Abends lügt mich der Kellner ganz frech an: ich spräche gutes Französisch, meint er.

Während des Essens bekomme ich eine Nachricht von Julia, die erst seit kurzem nicht mehr bei OSRAM ist – sie wäre auch gerade in Paris. Ich freue mich schon auf ein Szenario wie mit Diana in Tallinn, aber sie fährt am nächsten Morgen wieder nach München. Schade. Immerhin bekomme ich noch einen Tipp für die schönste Kirche in Paris – Saint Chapelle.

Am nächsten Tag (bewusst schreibe ich nicht Morgen) probiere ich einen weiteren Restauranttipp von Ramsi aus, auch lecker. Danach mein vorher eigentlich einziger feste Programmpunkt in Paris: die Cathédrale Notre-Dame de Paris, frisch restauriert nach dem Feuer. Obwohl erst seit 2024 offen, wirkt sie viel altmodischer als die anderen besuchten Sakralbauwerke auf meiner Reise. Es entstehen einige Fotos, schön ist sie schon. Neu gestaltet ist das Reliquar für die Dornenkrone, die Jesus bei der Kreuzigung getragen hat. DAS Original! Echt! Doppelschwör! Rund um die Kathedrale sind lauter Seitenkapellen, jeweils anderen Heiligen geweiht. Eine davon ist Saint Paul Chen geweiht, die Bilder mit chinesischen Schriftzeichen. Smart move – so fühlen sich die tausende Asiatischen Touristen auch gut aufgehoben. Die Kirche kostet keinen Eintritt, und an diesem kalten Januartag ist auch die Schlange bis man reinkommt sehr kurz.

Ich mache mich auf den Weg zu Saint Chapelle. Hier werden Eintrittspreise von 22 Euro aufgerufen, doch ich bekomme einen 6 € Rabatt, weil ich EU-Bürger bin. Erst fürchte ich, dass mich Julia verarscht hat: ein niedriges Gewölbe – tatsächlich sehr hübsch bemalt, ein paar Restaurierungsbruchstücke aber zB keine Fenster. Per Chat dirigiert mich Julia aus der Kellerkapelle in die eigentlich Kirche – das ist schon besser. Die größte Attraktion sind die 15 Fenster aus Buntglas, die insgesamt 1113 Szenen aus der Bibel darstellen – das sind weniger als 1,5 Cent pro Szene. Es wird auch noch fleißig fertig-restauriert, dabei mit der cleversten Baugerüstverkleidung die mir je aufgefallen ist – es ist komplett mit einer Spiegelfolie verkleidet, und da die Kirche ja recht einheitlich ist, fällt es kaum auf. Nur wenn man sich im Verhältnis dazu bewegt, wandern manche Objekte entgegen der erwarteten Richtung.

Und nu? Dass ich nicht genug Zeit hab, um mir viel wirklich anzusehen ist klar, also vielleicht wenigstens meine Leser mit eigenen Bilder vom Eiffelturm und so erfreuen. Die wenige Sonne steht immerhin gut für Fotos vom Trocadéro aus. Und cool, es gibt einen Bus dorthin, also a bisserl Stadtrundfahrt. Ich halte meine Navigo Easy Karte an den Leser, und der brummt böse. Hallo? Nochmal. Brumm. Aber der Busfahrer ist freundlich und erklärt: Ich habe wahrscheinlich nur Tickets für Metro gekauft, es gibt aber auch noch welche für 20 Cent weniger, die nur in Bus und Tram funktionieren. Mit einer App könnte ich eine solche Busfahrkarte per ‚telechargement‘ erwerben, ich darf auch gerne derweil im Bus bleiben und weiterfahren. Again what learned.

Also ein paar Fotos vom Eiffelturm, und dann wieder mit dem Bus zum Arc de Triomphe. Ich bin noch innerhalb der 90 Minuten, zu der die Karte berechtigt, und siehe da, es funktioniert. Der Kartenleser blippt freundlich und teilt mir mit: Fahrt ohne Berechnung. Fotos vom Triumphbogen erst im günstigen Licht des trüben Sonnenuntergangs, und danach in der blauen Stunde mit Beleuchtung. Der Verkehr auf dem Étoile ist überraschend ruhig und diszipliniert. Es bräuchte hier ein paar Taxifahrer aus Casablanca, das würde mehr Stimmung in die Bude bringen.

Noch ein paar Meter auf der Av. Des Champs Élysées, und dann wieder ins Hotel. Abends folge ich der Hotelempfehlung, war auch gut.

Mein Zug am Mittwoch geht um 15:55 – was mache ich mit dem Tagesfragment? Place du Vosges, ein Croissant mit einem Café au lait, und mit der Metro zum Place de la Concorde. Als Kind war ich sehr enttäuscht, dass der Platz nichts mit dem Flugzeug zu tun hat, nur blöde Brunnen und Säulen. ChatGPT hilft mir, dieses Manko zu heilen.

Danach durch den Jardin des Tuileries (der wahrscheinlich im Frühling oder Sommer mehr hermacht), am Louvre vorbei, etwas japanisches Essen (typisch französisch), und weiter an der Oper vorbei zu den Galeries Lafayette. Eigentlich wollte ich dort einen Kaffee trinken, aber vorher springt mich die Bar an der Weinabteilung an. Vielleicht ist ein Champagner stilvoller? In der Weinabteilung gibt es einen Sondertempel – ein Schrein dem Wein gewidmet. Ich sehe eine Flasche 1er Cru Supérieur Sauternes von dem Weingut  Château d’Yquem von 1899 für 16.500 €; vielleicht das nächste Mal.

Die Zugverbindung von Paris nach München erfordert ein Umsteigen in Stuttgart. Als ich das bei der Buchung gesehen hab, habe ich beschlossen, noch kurz bei Corinna und JUB in Fellbach vorbeizugucken. Die Fahrt von Paris nach Stuttgart dauert dreieinhalb Stunden, die ersten knapp zwei Stunden nach Strasbourg wieder im Full-TGV-Mode: ohne halt mit durchschnittlich 280 km/h. Am nächsten Morgen dann noch nach München, mit dem Deutschlandticket, was sich ja sonst im Januar nicht gelohnt hätte.

Paris gefällt mir richtig gut – da muss ich mal wieder hin, mit viel mehr Zeit. Die Stadt trieft vor Geschichte und Pracht, das ist man aus Deutschland gar nicht gewohnt. Sehr gut, dass General Dietrich von Choltitz sich damals Hitlers Befehl widersetzt hat, die Stadt in Anbetracht der Niederlage dem Erdboden gleich zu machen. Wenn also einer von Euch nach Paris will, und einen Mitreisenden sucht – pick me!

So a Gaudí! Tag 2

[Eigentlich hätte das einfach ein Artikel sein sollen. Aber es gibt so viel Fotos, das kann man auch aufteilen.]

Die Gaudí geht weiter. Für Montagvormittag habe ich die Attraktion von Barcelona gebucht, die Basílica i Temple Expiatori de la Sagrada Família. Eigentlich hatte ich sie von Málaga aus schon für den Tag zuvor gebucht, das war der einhellige Rat meiner Freunde. Ich wusste auch, dass die Preise dafür eher gesalzen sind, deshalb hat mich das Angebot im Internet von Feel the City für 81,90 nicht besonders schockiert. Meinen Chatpartner allerdings schon. Sie hat dann ein deutlich günstigeres Angebot auf der offiziellen offiziellen Website gefunden, für die Hälfte. Ich hatte das unter Lehrgeld gebucht. Als ich allerdings im Zug nach Barcelona war, rief mit eine Nummer auf WhatsApp an, angeblich aus Florida. Ich bin dran gegangen, eine Dame machte mich darauf aufmerksam, dass etwas mit der Buchung nicht geklappt hätte, ich sollte meine Mails lesen. Ah, stimmt, im Spam Ordner ist der Hinweis von Feel the City: Leider gibt es zu der von mir geplanten Zeit eine Veranstaltung, klicken sie hier um eine andere Zeit auszuwählen.

Ich habe dann auch die offizielle Website geklickt, mir noch ein Slot für Montag gesichert, und dann der ersten Seite bedauernd mitgeteilt, dass ich leider alle anderen Zeiten verplant hätte, soooo sorry. Bitte das Geld zurückerstatten. Der neue Slot ist allerdings nicht am späten Nachmittag, wie Mr. GPT es mir empfahl. Oh well. Dafür mit Turm und Tour mit echtem Führer.

Ich komme fast eineinhalb Stunden vor dem Termin meiner Tour an der U-Bahn Station an. Etwas Zeit für Einlass mit Security eingeplant, und davor noch eine Runde drum herum für ein paar Außenfotos. Eine halbe Stunde vor der Tour werde ich eingelassen, man kann auch ein Audioguide für’s Handy runterladen, bringt aber gegenüber der ‚live‘ Tour keinen Mehrwert (nachträgliche Erkenntnis). Meine Befürchtung, dass man hier in 90 Minuten (+ 30 für den Turm) durchgepeitscht wird, und danach gehen muss, bewahrheitet sich nicht. Die Time-Slots für Tour und Turm (das wäre jetzt auf französisch ein nettes Wortspiel) machen Sinn, aber sonst – take your time. Susanna scheint mehr für Ihre Begeisterung für die Kirche eingestellt worden zu sein als für akzentfreies Deutsch, aber wir sind nur vier in der Gruppe, und kommen damit zurecht, dass sie Engel konsequent als Angel ausspricht.

Auch dieses Sakralbauwerk ist beeindruckend. Es ist voller Symbolismus, da hat sich jemand recht damit verkünstelt. Beispiele: die 24 Säulen an der Passionsfassade entsprechen den 24 Rippen (nicht der Tage im Adventskalender?!?), es gibt 12 kleinere Türme wegen der 12 Apostel/Jünger, vier größere für die vier Evangelisten, und noch je einen für Maria und Jesus. Ich finde es unfair, dass Joseph immer zu kurz kommt. Ich hätte das ja nicht gemerkt, aber tatsächlich hat man drei der Aposteltürme klammheimlich weitergereicht, einen weil man ihn nicht Judas widmen wollte, und zwei, weil Matthäus und Johannes sowohl Apostel als auch Evangelisten sind. Die Geburtsfassade (von Gaudi selbst gestaltet) trägt lauter Symbole um die Geburt Jesu, die Passionsfassade widmet sich seinem Tod und ist mit wesentlich kantigeren Statuen ausgestattet, die die ganze Passionsgeschichte wiedergeben.

Die Säulen im Innenraum sind Bäumen nachempfunden, sie tragen das Gewölbe auf Ästen. Allgemein muss ich beim Lesen der Beschreibung wieder viel Geometrie auspacken. Es finden sich u.a. folgende Flächen in der Kirche:

kreisquerschnittigen Rotationshyperboloide, hyperbolischen Paraboloide, elliptische Hyperboloide, Überschneidungen zweier gegensinnig gedrehter Wendelflächen, Ellipsoide, Helikoide und elliptische Paraboloide. Was das alles ist, könnt Ihr in den Links von Wikipedia nachlesen, mich hat es jedenfalls beeindruckt. https://de.wikipedia.org/wiki/Sagrada_Fam%C3%ADlia

ChatGPT hatte sehr darauf gedrängt, so spät wie möglich in die Basilika zu gehen, und es mit den Lichteffekten begründet. Tatsächlich sind die Fenster auf der Ostseite eher im kühleren Bereich des Regenbogens gehalten, die auf der Westseite eher auf der warmen. Ich werde die Sagrada Familia drei Stunden vor Sonnenuntergang verlassen, aber schon da zeichnet sich im westlichen Kirchenschiff ab, dass das Licht durch die Fenster eher spektakulär daherkommt.

Für eine handvoll Dollar mehr habe ich noch die Turmbesichtigung mitgebucht. Es gibt einen Aufzug auf den Turm des Apostels Felip, von da aus wechselt man zum Turm des Apostels Tomàs, man geht ein paar Treppen nach unten, und kann dann auf die Brücke zwischen Tomàs und Bartlomeu. Man hat einen netten Blick auf ein paar Türmchen (zählen nicht zu den 18) mit deren Abschlüssen aus einem Gaudí Obstkorb, und geht dann eine Wendeltreppe mit offenem Treppenauge wieder nach unten. Ich bin nicht ganz schwindelfrei, habe mich tatsächlich ans Treppengeländer geklammert.

Der höchste Turm, Jesus gewidmet, ist in 2025 schon so weit fortgeschritten, dass er höher als der Ulmer Münster ist, 2026 soll er fertiggestellt werden, zum 100. Todesjahr von Gaudí. Die Schautafeln sind optimistisch, dass die Kirche in den nächsten 20 Jahren fertig gestellt wird. Immerhin gibt es seit 2019 (erst seit…!) eine Baugenehmigung für die Basilika.

Danach noch kurz ins Museum der Kirche (im Keller, nicht Krypta – dort wäre Gaudí beerdigt), und im Kreuzgang zur Sakristei. Nach drei Stunden bin ich durch. An der Südseite der Kirche sehe ich die Häuser einiger Nicht-Fans der Kirche. Gaudí hat eine imposante Treppe zum späteren Hauptportal der Kirche geplant, just dort wo die besagten Häuser stehen. Mal sehen, wie das in 20 Jahren aussieht.

Ich fahre mit der Metro (72-Stunden Ticket) zum Markt La Boqueria, esse ein paar Happen auf die Hand, und fahre dann etwas nach Norden; mich hat das Gaudí-Fieber angesteckt, und ich sehe mir noch zwei seiner Häuser an. La Pedrera / Casa Milà nur von außen, und die Casa Batlló auch von innen. Der Eintrittspreis ist nicht von schlechten Eltern, im inneren lasse ich mich noch zum Upsell zur Besichtigung einer Musterwohnung breitschlagen. Ich bin begeistert. Bin ich nun Fan von Gaudí oder vom Jugendstil – da bin ich nicht ganz sicher. Aber genial war er wohl schon, der Antoni. Anekdotisch ist überliefert, dass der Direktor des Architektur-Instituts Elies Rogent zweifelte: „Qui sap si hem donat el diploma a un boig o a un geni: el temps ens ho dirà.“ Übersetzt: „Wer weiß, ob wir das Diplom einem Verrückten oder einem Genie gegeben haben – die Zeit wird es uns sagen.“ Ich plädiere für letzteres.

Danach laufe ich trotzt 72-Stunden Ticket zum Hotel zurück, gehe etwas später in eine Tapas-Bar zum Essen. Eigentlich bin ich satt, aber da das vorerst mein letzter Tag in Spanien ist, bestelle ich einfach nochmal einen Teller Jamon Iberico.

So a Gaudí! Tag 1

Über Barcelona sind mir aus den Erzählungen von Freunden mehrere Geschichten über Taschendiebe, Versuche Handtaschen zu entreißen und ähnliches in Erinnerung. Ich bereite mich vor. An Wertsachen habe ich nur mein Schlautelefon dabei, ich vertraue mal darauf, dass die mittlerweile so personalisiert, zugeknöpft und leicht zu orten sind, dass sie keine beliebte Beute mehr sind. Geldbeutel und Pass lasse ich im Hotel, in der zugeknöpften Hemdtasche habe ich €30 und mein Personalausweis. Auf zum Tourismus!

Irgendwann frisst’s uns.

Das wusste vor zwanzig Jahren schon mein Kollege Hans. Langsam sind wir dort angekommen. Ich stehe vor dem Park Güell in Barcelona, ChatGPT hat mir erzählt, dass ich das unbedingt ansehen muss. Karten gibt es nur online. Es stehen mehrere Grüppchen vor dem Tor, mit unterschiedlichen Stadien der Verzweiflung auf ihren Gesichtern. Der QR-Code mit dem sprachgerechten Kartenverkauf liefert nur ein ‚Server antwortet nicht‘. Daran scheitere ich nicht; ich Google die offizielle Website und trage brav Namen und Schuhgröße ein. Aber die Website will zur Zahlung der 18€ Kreditkarteninformationen. Kein Apfel-zahl, kein Bezahlkumpel; please enter your credit card number. Tja, die steht auf der Karte. Im Geldbeutel. Im Hotel. Und nun? Ich spreche einige der Gruppen an, biete €20 in bar, wenn sie für mich eine Karte mitbestellen. Viele scheitern beharrlich an dem ‚Server not available‘, und misstrauen mir, als ich helfen will. Andere verneinen Englisch zu können. Für Kartenverkäufer langt es nicht, aber es stehen drei Mitarbeiter in einer Absperrung vor dem Bereich, wo der Kartenverkauf mal war. Ich schildere mein Problem. Einer versteht, verspricht mir helfen zu wollen, und redet ein wenig in sein Walkie-Talkie. Er verschwindet, und ich stelle mich schon darauf ein nochmal 90 Minuten ins Hotel und zurück zu fahren. Kurz bevor ich aufbreche, holt er mich hinter die Absperrung und führt mich zu einem Kartenschalter, wo eine junge Dame sitzt. Gelangweilt verkauft sie mir für 18€ eine Papierkarte mit QR Code, Personalisierung nicht notwendig. So trete ich in den Park Güell ein, und muss an die Prophezeiung meines Kollegen Hans denken.

Der Park Güell

ist eigentlich eine Investitionsruine, zum eigentlichen Zweck nie fertiggestellt. Das ist keine Schande, auch Schloss Neuschwanenstein wurde nicht fertiggebaut und ist heute auch Weltkulturerbe. Es sollte eigentlich eine Wohnsiedlung werden, nur zwei Häuser wurden gebaut*. Meine Theorie: der Bauträger ging angesichts von Schadensersatzforderungen in Konkurs, als sich die Leute beim Neubau über kaputte Fliesen und krumme Wände beschwerten.  https://de.wikipedia.org/wiki/Park_G%C3%BCell

Aber dafür ist Antoni Gaudí bekannt; er war ein Lineal-Legastheniker der seine Schwäche, gerade Linien zu zeichnen, damit verbarg, dass er seine Werke als ‚an die Natur angelehnt‘ erklärte. So ist alles etwas rund, die griechischen Säulen stehen schief, weil das auch manche Bäume tun. Immerhin sehr nachhaltig, sehr viel ist mit Fliesenbruch gefliest. Vom Park aus hat man mit tausenden anderen Touristen einen schönen Blick auf Barcelona.

Nach dem Park ein leckeres Mittagsessen im angrenzenden Viertel Gràcia, und mit dem Bus an die Barceloneta – der Strand von Barcelona, mit einem kurzen Abstecher zum Arc de Triomf (sic). Bei der Busfahrt fällt mir am Hafen ein großer Eisenfachwerkturm auf. Es ist der Anfang des Teleferico, eine Seilbahn über den Hafen zum Montjuïc, ein Aussichtsberg, den mir mein Freund Chat auf empfohlen hat. So komme ich rechtzeitig zum Sonnenuntergang an der Aussichtsplatform an, und dann zurück ins Hotel.

Einschub: Katalonisch

Die Sprache macht mich fertig. Sie liest sich so, als hätte ein Legastheniker, der Spanisch, Französisch und Portugiesisch sprechen konnte beschlossen – da passt noch was dazwischen. „Arc de Triomf“ ist kein Tippfehler, es ist Katalan. „Bitte“ ist „Si us plau“, was nur nach einer schriftlichen Vereinfachung von „S’il vous plaît“ aussieht. Ich bin mir hier nicht sicher, ob ich lieber Spanisch üben soll (vielleicht ist das politisch inkorrekt), oder doch lieber gleich auf Englisch anfange.

„Ich konnte mir den Rückflug nicht leisten“

Nimmt mir jemand die Begründung nochmal ab? Ich auch nicht. Die Erfahrung hat gezeigt, dass die Rückflüge sehr viel billiger gewesen wären, als die Bummelei über Land. Aber tatsächlich war der Preis des Rückfluges an der Entscheidung beteiligt. Urlaub von kurz nach Weihnachten bis in die erste Januarwoche können sich wohl einige nehmen, dementsprechend sind viele unterwegs und für Spätbucher wie uns die Preise etwas hoch; oder nur noch beknackte Verbindungen. Mehr zum Spaß habe ich bei Bahn.de nach einer Zugfahrt Málaga-München gesucht. Die gibt es. 30 Stunden, zweimal Umsteigen, und dabei sieben Stunden Aufenthalt in Paris. Von 23:30 bis 06:30. Echt? 7 Stunden sind Kacke, aber 47 Stunden hören sich schon besser an. Und wo muss man noch umsteigen? Barcelona. War ich auch noch nicht (na ja, meine Mutter hat mich belehrt, dass ich als Siebenjähriger schon mal dort war – ähnlich verhält es sich übrigens mit Paris aus touristischer Sicht). Und so wurde aus der Idee ein Plan. Ein paar Tage Nahe Málaga, dann nach Barcelona, ein paar Tage dort, dann weiter nach Paris, dort auch kurz Halt machen, und dann wieder nach Deutschland zurück.

An der Costa del Sol mache ich dasselbe wie 2008 und 2021 – ich miete ein Auto und fahre damit ‚down memory lane‘. A bisserl frühe Kindheit (Grundschule in den Bergen über Marbella), Treffen mit bestem Freund aus eben dieser Grundschule, aber auch der Besuch von Restaurants, die wir 2021 für gut befunden haben. Auch in Mijas Pueblo mache ich halt, in den späten siebzigern ein verschlafenes Bergdorf wo man als Kind Esel reiten konnte.

Also steige ich am Samstagvormittag in einen Iryo Zug in Málaga ein und fahre mit knapp 300 km/h über Madrid nach hier, Barcelona. Zwei ganze Tage, am Dienstag geht’s dann mit dem TGV nach Paris, dort tatsächlich 47 Stunden, und dann nach München, vielleicht mit Halt in Stuttgart.

Kontinentswechsel

9:00, Gare Casa Voyageurs, Gleis 2, der TGV Al Boraq setzt sich in Bewegung. Er wird 2:16 für die Fahrt nach Tanger Ville benötigen, und auf die Minute pünktlich ankommen. Anfangs verläuft die Fahrt noch etwas gemächlich, zwischen Casablanca und Rabat ist so ziemlich die ganze Küste mehr oder weniger besiedelt. Aber die letzte Stunde bin ich beeindruckt, Geschwindigkeiten bis 315km/h. Die Reise hat mir ChatGPT empfohlen. Von Tanger Ville soll ich ins ca. 40km entfernte Tanger Med, um von dort aus die Fähre nach Algeciras in Spanien zu nehmen. Es gibt auch Fähren, die gehen von Tanger Ville/Port, aber die fahren nach Tarifa, und das ist auf spanischer Seite schlechter angebunden. Eigentlich wollte ich mit einem öffentlichen Bus fahren, aber als der nicht bald erscheint, trete ich mit einem Taxifahrer in Verhandlung. Ich behaupte, nur noch 100 Dirham zu haben, so kann ich den Preis von 25€ auf 15€ drücken (100 dh + 5€ in cash).

Tanger Med ist ein großer Industriehafen, aber es gibt auch ein Passagierterminal, welches ich kurz nach 12:00 erreiche. ChatGPT versprach alle 90 Minuten eine Abfahrt, aber ‚prochaine depart‘ ist erst um 15:00. Ich kaufe das Ticket, und frage den Menschen am Schalter, ob man auf der Fähre mit Dirham zahlen kann, da ich noch genau 52 habe. Nein, wird mir beschieden, und ich gucke mich nach einem kleinen Laden um. Wieviel ich denn noch hätte, fragt mich der am Schalter, und gibt mir pragmatisch dafür einen Fünf-Euro-Schein.

Das Boarding Gate hat schon offen (wird behauptet), und ich freue mich schon, dass ich an Bord der M/S KATTEGAT einen gemütlichen Sessel in Beschlag nehmen kann, aber Mal um Mal werde ich an der Tür zum Bus abgewiesen. Offensichtlich hätte es noch ein paar Fähren früher gegeben, für die man mir keine Karte verkaufen wollte. Mein Schicksal teile ich mit einem Paar+1 aus Deutschland. Um 15:30 lassen sie uns in den Bus und bringen uns zur Fähre. Meinen Pass musste ich bislang viermal vorzeigen. Mit einer Stunde Verspätung verlassen wir Tanger Med, und kommen entsprechend später in Algeciras an. Dann noch 55 Minuten auf den stündlich fahrenden Bus warten (Yeah!), und in Dunklen fahren wir Richtung Malaga.

Ein wenig habe ich es geahnt, und so für den Abend keinen Mietwagen gebucht. Im Wartesaal des Busterminals buche ich ein Hotel am Bahnhof in Malaga, und für den nächsten Morgen auch ein Auto.

Beim Warten treffe ich Paul, Engländer aus der Nähe von Newcastle, mit einer international verstreuten Familie die er nun als Rentner besucht (Marokko, Kenia, Philippinen) Paul war vorher in Gibraltar und hat dort ein paar Pubs besucht, man riecht’s. Er muss zum Flughafen nach Malaga, wo um 05:00 sein Ryanair-Flug nach Hause geht; aber er hat noch ein paar Dosen Bier. Paul hat auch ’ne Zeit in Deutschland gelebt, und spricht passabel Deutsch.

Um 22:00 komme ich am Busbahnhof in Malaga an, Hotel fünf Minuten entfernt, und dann ein Tapas-lokal gesucht. Ich finde es nicht, aber ein typisch spanisches Sushi & Ramen Restaurant springt mich an; immerhin sind die gebratenen Nudeln nach fünf Minuten da.

Versprengtes / Fazit zu Marokko:

Sprachen

Insgesamt ist der Urlaub ein rechtes Sprachchaos. Es fängt mit unserer Gruppe an: Alle können gut Englisch, aber je nachdem wer gerade mit wem spricht, wechseln wir auch ins Deutsche, Spanische, Französische, Estnische (Ich kann mich mit „Aitäh“ bei Diana bedanken), Arabisch, Tamachek und Russisch. Bei den Marokkanern ist es ähnlich. Arabisch, klar. Aber dass alle Marokkaner Französisch können stimmt so nicht. Eher die Älteren und die gebildeteren. Wer im Tourismus arbeitet, spricht eher Englisch oder Spanisch. Öfters habe ich mir eine Frage auf Französisch zurechtgelegt, nur dass mich der Kollege bittet, doch Englisch zu sprechen. Einmal fragen die Mädels, woher der Verkäufer Spanisch kann – er hat bis zur Hochzeit viel spanisches Radio gehört; nun hört er hauptsächlich Wife-Radio. Auch etwas Deutsch können manche – ich versuche oft die Tourismus-Anbandel-Frage „where are you from?“ mit breitem bayrisch zu beantworten, in der Hoffnung dass der Verkäufer ablässt, aber nein, er hat einen Cousin in Sindelfingen und antwortet mit „Deutschland, Gut, Wie geht es Dir?“ Und dann gibt es noch die Berbersprache Tamachek, und offensichtlich noch zwei weitere; dazu das witzige Alphabet Tamazight. Seit dem Tod von Hassan II ist Marokko mit den Berbern viel toleranter, und viele Schilder sind dreischriftig.

Vielleicht wundert sich der eine über die verschiedenen Schreibweisen: „Fes/Fez Marrakesch/Marrakech“ Die kommen natürlich aus den verschiedenen Sprachen, in die „فاس مراكش“ übersetzt wurde.

Mittelerde und Gandalf der Graue

Fans vom Herr der Ringe kommen in Marokko auch auf ihre Kosten – einige Namen hören sich an, als hätte sie JRR Tolkien erfunden, wie zB die Stadt Tinghir. Und dann gibt es natürlich die Kaftane, die wirklich getragen werden, und nicht nur an Touristen verkloppt werden. Mit zipfeliger Kapuze denkt man sich oft: „Ah, da ist gerade Gandalf der Graue“. Aber es gibt noch andere Gandalfs: Braune, schwarze und gestreifte.

Fazit

Marokko ist toll.

Etwas ausführlicher: Ich hatte keine riesigen Erwartungen an Marokko, und das sind beste Voraussetzungen für eine Über-Erfüllung. Der Kontrast zwischen verwinkelten Altstädten, historischen Gebäuden, den Souks und dann die grandiosen Landschaften auf der anderen Seite ist gigantisch. Für Frank und mich war die Temperatur sehr gut, auch wenn man nachts mal die Heizung im Zimmer angelassen hat. Die Leute freundlich, das Essen gut (keine Michelin Sterne, aber dennoch lecker). Ich kann’s jedem empfehlen.

Verkehr

Unserer ursprünglichen Planung zufolge hätten wir das Auto in Fes abgegeben, nach unserer etwas spontanen Planung wird es nun Casablanca. Unser Hotel ist diesmal kein historischer Riad, sondern ein modernes Zweckhotel an einem Einkaufscenter, gewählt da in schneller Laufentfernung vom Bahnhof, leider kostet Parken pro Stunde. Google Maps weist in der Stadt noch einen Europcar Standort aus, dort könnten wir’s noch am Abend loswerden, morgen bis 10:00 brauchen wir es eh nicht mehr. Es ist kurz vor 18:00, Europcar ist bis 19:00 auf. Also los. Mir macht fahren in Casablanca Spaß, mit einer ordentlichen Portion Nervenkitzel. Viel Hupen, kleine Abstände, wilde Spurwechsel und ein eher entspanntes Verhältnis zu Vorfahrtsregeln, Ampeln und Fußgängerüberwegen. Häufig hilft die normative Kraft des Faktischen. Wenn man im Roundabout zu weit vorfährt, wird man zwar heftig angehupt (ich hupe fröhlich zurück), aber man ist halt schon mal da. Noch härter als die Autos sind die Motorräder und -roller. Die scheinen gar nicht an ihrem Leben zu hängen. Wir müssen noch tanken, und dann auf zur Station Casablanca centre ville. Natürlich gibt es dort keinen Parkplatz, Frank springt kurz raus, aber der Standort ist verlassen. Es ist 18:40. Grrrrr. Auch kein Parkplatz mit After-hour-key-drop. Es soll noch einen anderen Standort geben, 10 Minuten entfernt. Ohne Optimismus starten wir, und der andere Standort existiert gar nicht. Dann also Plan B. Nahe des Hotels ist das Europcar Depot. Wir stellen das Auto davor ab, ich werde es am nächsten Morgen dann abgeben, mit dem ganzen Vertraggedöns*.

Dann mit dem Taxi zu Rick’s Cafe, wir steigen in die Verhandlung mit 1 € pro Kilometer ein, wie wir es in Marrakesch geschafft haben. OK, das funktioniert, für 5 € fährt uns ein alter Mann; wie in Marrakesch gebe ich Anweisungen nach meinem Google Maps, da er „Rick’s Cafe“ nicht kennt, und auch nicht auf dem Telefon erkennt. Er ist sehr dankbar für das Geld; die Rückfahrt kostet uns um Mitternacht ca. 2,50 €. Am nächsten Tag fahre ich wieder in die Richtung, als ich versuche den Preis vorher zu erörtern lacht mich der Fahrer aus, sagt „one million dollars“, und winkt mir, ich möge doch einfach einsteigen. Es läuft tatsächlich ein Taxameter, ich werde die Strecke für 1,60€ schaffen.

Ich sehe auch noch die Steigerung zu den Mofas: ich überquere die Straße fix hinter einem schnellen Volvo SUV mit einer eleganten Frau am Steuer, der sich aber komisch anhört. Als ich ihm hinterherblicke, erkenne ich den Grund: ein Jugendlicher mit Rollerblades hängt an der rechten C-Säule und fährt als blinder Passagier mit. Ich schätze ca. 60 km/h, und unpraktische Gullys am Straßenrand.

Für die letzte Rückfahrt zum Hotel bekomme ich ein Sammeltaxi (auch das ungewohnt: teilbesetze Taxis halten an, man brüllt sein Ziel hinein, und der Fahrer überlegt, ob es da Synergieeffekte gibt. Häufig winken sie ab). Im Fond sitzen zwei dunkelhäutige Afrikanerinnen. Offensichtlich kann das Taxameter auch mehrere Fahrten gleichzeitig abrechnen. Er wirft die Frauen nach ein paar Minuten raus, die müssen lt. Taxameter 3,30€ zahlen, und dann springt es wieder auf meinen laufenden Preis. Der Taxifahrer war der wildeste bisher, schlängelt sich durch den Verkehr, wilde Interpretationen von Fahren im Kreisverkehr, Dauerhupe, fährt bei roter Ampel mit grünem Pfeil nach rechts auf der rechten Spur an allen vorbei, zieht dann fünf Meter vor die wartenden Autos und wartet dort, bis es grün für geradeaus wird. Nur einmal verwirrt er mich. An einer leeren Kreuzung hält er an einer roten Ampel an. Gut, 10m hinter der Haltelinie, man sieht die Ampel nicht mehr, aber dort wartet er geduldig. Ich entdecke keinen Polizisten. Why? Als es dann offensichtlich grün wird fährt er kurz an, aber es kommt eine Frau mit Kinderwagen und will die Straße überqueren. Da bleibt er trotzt grün wieder stehen, lässt sie vorbei, und staucht noch einen anderen Fahrer zusammen, der ihn überholen will. Während der ganzen Fahrt läuft auf seinem Handy, vor’s Armaturenbrett gelegt, das Achtelfinale zwischen Algerien und der DR Kongo. Aber ich komme lebendig an, und zahle 1,20€ – Achterbahn ist langweiliger und teurer. Ich hätte ein Video machen sollen.

Zwischenzeitlich hatte ich einen Fahrer, mit dem ich mich ganz gut unterhalten konnte. Als er einem todesmutigen Fußgänger in letzter Sekunde bedeute ich ihm, dass ich hier alle für verrückt halte. Er meint „C’est le piq Covid“, also ist die Impfung an allem Schuld.

Was mich nun interessiert:

  • Was würde eine Smart-Watch zu dem Stress-level, Blutdruck und Herzfrequenz der Taxifahrer sagen?
  • Wie zur Hölle lernt man in so einer Stadt Autofahren? Wenn Anfahren, Kuppeln, Gangschaltung und ein Gefühl für’s Auto sich noch nicht gebildet haben?

*war übrigens ganz sinnvoll, bei der Abgabe dabei zu sein. Die Europcar Mitarbeiter wissen erst nicht richtig, was sie mit mir und dem Auto anfangen sollen. Der Kollege telefoniert mit Marrakesch, hält mir den Mietvertrag unter die Nase: ‚Abgabe in Fes‘. Ich halte ihm den Chat mit Europcar unter die Nase: „Yes, it’s possible [to return the car at this depot]“. Am Ende scheitert es noch fast am Stift. Er kommt nur so weit, auf meinen Vertrag „Vehicule retou…“ zu schreiben, dann gibt der Stift auf. Er flucht, geht in ein anderes Büro, und kommt mit meinem Vertrag wieder „Vehicule retourné sans dégáts“ und einem Stempel. Ich bin guter Hoffnung, dass ‚dégáts‘ Schäden bedeutet, und nicht zB ‚Reifen‘ oder ‚Türen‘.

صور القطط فكرة جيدة دائماً

Katzen werden im Islam zwar nicht im Koran erwähnt, aber doch in einigen Hadithen. So ist klar: „Eine Frau kam wegen einer Katze ins Höllenfeuer: Sie sperrte sie ein, gab ihr weder zu essen noch ließ sie frei, […]“. Macht man auch nicht. Insgesamt gelten Katzen als rein, und dürfen im Gegensatz zu Hunden auch in die Moschee, müssen aber wohl dort nicht beten, sondern Mäuse fangen. Übrigens: wer auf Katzen allergisch ist, kann diesen Beitrag auch überspringen, er bringt die allgemeine Handlung nicht vorwärts.

Eine weniger bekannte Hadith sagt:

صور القطط فكرة جيدة دائماً؛ لذا أسعد أصدقاءك بنشر العديد منها على الإنترنت.

Katzen sind in Marokko häufig anzutreffen, sie werden von der Bevölkerung toleriert und gut behandelt. Nicht soooo gut, dass man sie mit Whiskas Spezial für ein schönes Fell füttert, aber immerhin. Wir haben auch einige gesehen, die wirkten eher ungesund, zu viel Essensreste wie Couscous; und wenn sie dann noch aus dem Regen kamen…

Sie leben auch in den Souks und sind dort komplett schmerzbefreit. Wer Katzen kennt, die sofort flüchten, wenn fremde Menschen ins Haus kommen: Die in Marokko sind anders programmiert. Hier also eine Sammlung von Bildern:

Nachtrag Barcelona

König Hassan II will ins Paradies

In einer Hadith, einer Überlieferungen über den Propheten Muhammad, steht:

مَنْ بَنَىٰ لِلّٰهِ مَسْجِدًا، بَنَىٰ اللّٰهُ لَهُ بَيْتًا فِي الْجَنَّةِ

Diesen Hadith kannte wohl auch König Hassan II (*1929. 👑1961. 🪦1999.). Sinngemäß übersetzt bedeutet er: „Wer um Allahs willen eine Moschee baut, dem baut Allah ein Haus im Paradies“. Auch wenn es viele Auslegungen und Interpretationen dazu gibt, Hassan II dachte sich wohl „Viel hilft viel“, obwohl das nicht genauso in den Texten steht. Gedacht, getan, ein Erlass im Jahre 1986 startete den Bau einer der größten Moscheen der Welt (Moscheeführer: „An Größe die Nr. 3 in der Welt, an Schönheit die Nr. 1“ – 25.000 Betende finden Platz im Innenraum, weiter 100k davor). Die Bauzeit lief bis 1993, die Moschee wurde aber bereits 1989 zum 60. Geburtstag des Königs eingeweiht. Offiziell ein Geschenk des Volkes an seinen König, wurde das Volk wohl auch ziemlich dazu genötigt.

Wir besuchen die Moschee einmal Abends vor Rick’s Café, sehen sie aber nur von außen. Besuchen kann man sie – auch als nicht-Muslim – nur tagsüber. Also fahre ich am nächsten Tag mit dem Taxi hin, ’spende‘ 14 € für den Eintritt und bin drin. Ich schätze, die Fotos werden der Monumentalität nicht gerecht werden. Wirklich beeindruckend, und reichhaltig verziert. Wirklich schön. Man kann sich verschiedenen kostenlosen Führungen anschließen, in sechs verschiedenen Sprachen. Ich büchse immer wieder aus, um Fotos zu machen, aber bekomme doch einiges mit. Viele der Führer haben Humor. Was ist im Islam verboten? Stinkige Socken. Das die Frauen hinter den Männern beten müssen (wenn in einem Raum), sei keine Wertung sondern worauf würden sich die Männer sonst wohl konzentrieren, wenn vor Ihnen eine Frau kniet, die Stirn an den Boden gedrückt? In der Hassan II Moschee gibt es für die Frauen eine zweite Etage. Angeschlossen sind im Keller große Räume für die rituelle Waschung, es soll auch ein Hamam geben, wenn mehr Reinigung erforderlich ist.

Nach dem Besuch lasse ich mich nochmal in die Stadt fahren, zum Mohammed V Platz, und erkunde die Gegend. Ein Taubenbrunnen mit tausenden Tauben (die ich als Tier nicht so mag), ein Park der arabischen Liga, ein Fest der afrikanischen Kulturen. Ich versuche auch die Kathedrale Sacre Coeur zu besuchen, aber die ist heute für eine Veranstaltung geschlossen; von der Straße aus sehe ich durch die Tür eine großbildleinwand, es läuft ein Fußballspiel. Danach treibt es mich wieder in Richtung Hotel, ich hab auch erstmal genug. Morgen um 9:00 geht’s für mich auch wieder auf die Reise.

As time goes by

Ilsa: “ Play it, Sam, play ‚As Time Goes By‘

🎶 You must remember this
A kiss is still a kiss
A sigh is just a sigh
The fundamental things apply
As time goes by  🎶

Ahhh, Casablanca. Immer wenn ich den Namen höre, schaltet mein Hirn auf schwarz-weiß Film, und Humphrey Bogart küsst Ingrid Bergmann. Dass Casablanca eine echte Stadt in Marokko ist, das muss ich mir öfters in Erinnerung rufen. Ist ja auch nicht naheliegend. Bei Namen wie Marrakech, Ouarzzate oder Khouribga merkt man ja sofort, dass das nicht in Niederbayern ist, aber Casablanca? Anyway, als es klar wurde, dass wir nach Marokko fahren, wollte ich auf alles Fälle nach Casablanca, hatte ich doch in Erfahrung gebracht, dass es dort wirklich ein „Rick’s Café“ gibt. Mir war klar, dass das eine ganz billige Masche war, die Sentimentalität von Touristen auszunutzen, schlimmster Nepp. Egal. Ich formulierte es wie folgt: „Ich möchte persönlich enttäuscht werden“. Ich würde das machen, auch wenn alleine. Aber Frank meinte dann, ach warum nicht, und ich machte eine Reservierung für den Abend des fünften, der letzte Abend in Marokko für Frank. Ging per email, wir haben den Slot von 21:00 bis spät gewählt, wir wussten ja nicht genau wann wir ankommen. Letzten Endes sind wir schon um 20:30 dort, das Café sieht von außen anders aus als im Film , aber ein Drink an der Bar vorher wird ja gehen. Freundlich aber bestimmt werden wir abgewiesen. Wir schlagen im Einkaufszentrum gegenüber 25 Minuten tot. Um neun werden wir eingelassen und zu unserem Tisch geführt. Sie haben die Filmkulisse nicht nachgebaut, aber das Ambiente passt. In der Mitte eines Typ-Riad-Hauses steht ein Flügel, ein Kontrabass und ein Schlagzeug. Die Kellner tragen einen Fes und Krawatte, auch die wirken stimmig. Auf der Karte gibt es – pfui für Marokko – Alkohol. Die Preise sind europäisch, aber wir beschließen heute nicht zu sparen. Je ein Cocktail, Vorspeise, das große Rib-Eye Steak für zwei, eine Flasche marokkanischer (!) Wein, und – na gut – auch eine Flasche Wasser.

Das Personal ist umsichtig und serviert alles stilvoll. Die Band fängt an zu spielen, das zweite Lied ist tatsächlich „As time goes by“. Sie spielen auch „Oye como va“ von Santana, ein paar Lieder aus Buena Vista Social Club und etwas was ich Jazz nennen würde, die Band aber später auf Nachfrage als ‚Latin Classics‘ benennt.

Das Essen ist OK. Frank meint, dass ich Rib-Eye besser hinbekomme, aber vom Preis-Leistungsverhältnis ist es dennoch voll in Ordnung. Überraschend gut ist der Wein – ein 2022 Epicuria Cabernet Sauvignon. Am Nebentisch tafeln wohl ein paar Sportfunktionäre, trinken aber auch Wein.

Ich gehe nochmal durch das ganze Lokal – im 1. Stock steht tatsächlich ein Faksimile eines Roulettetischs, mit Glas abgedeckt, dass man ihn als Esstisch nutzen kann, daneben läuft ein Film in Dauerschleife. Es wird Euch nicht überraschen, dass es ‚Casablanca‘ ist. Offensichtlich darf oben geraucht werden, und der kalte Zigarrenrauch in der Luft passt auch zur Atmosphäre. Nach dem Essen – die Band spielt noch – bestellen wir noch je einen Martini. Das letzte Lied des Abends ist das, mit dem dieser Beitrag anfängt.

Als Fazit sind wir uns einig: „Schlimmster Touristennepp erwartet, stilvolles Ambiente mit liebevollen Details und vernünftiger Küche gefunden.“ Ein stilvoller Abschluss, heute ist Franks letzter Abend. Wie im Film hat er für morgen einen der begehrten Passierscheinen für einen Flug nach Lissabon erhalten. Here’s looking at you, kid.