Dienstagmorgen mache ich mich wieder zum Bahnhof Barcelona-Sants auf. Von den Gleisen des Bahnhofs ist nichts überirdisch zu sehen; nachdem der Zug losfährt fahren wir die ersten 10 Minuten in einem Tunnel unter Barcelona. Der Zug bummelt sich noch ein wenig an der Küste entlang, hält für ein TGV relativ oft, zuletzt in Valence, noch knapp 500km von Paris entfernt. Danach schaltet er auf Full-TGV-Mode, und fährt ohne Halt und mit knapp 300km/h bis zur Gare de Lyon in Paris.


Ich organisiere mir eine Navigo Easy Karte mit 10 Fahrten für den Nahverkehr und nehme die Metro bis zu meinem Hotel im Viertel Le Marais, ein Tipp von Steffen. Le Marais ist belebt, gefühlt sind über 50% der Erdgeschossflächen in der Gegend gastronomisch genutzt. Einige Zeit vorher waren Karin und Ramsi auch in Paris, haben auch in dem Viertel gewohnt und mir einige Tipps gegeben. Am Abend probiere ich im „Au Bourguignon Du Marais“ eine französiche Zwiebelsuppe und ein Boeuf Bourguignon. Leckeres Essen, freundlich-kompetentes Personal, doch zum Ende des Abends lügt mich der Kellner ganz frech an: ich spräche gutes Französisch, meint er.





Während des Essens bekomme ich eine Nachricht von Julia, die erst seit kurzem nicht mehr bei OSRAM ist – sie wäre auch gerade in Paris. Ich freue mich schon auf ein Szenario wie mit Diana in Tallinn, aber sie fährt am nächsten Morgen wieder nach München. Schade. Immerhin bekomme ich noch einen Tipp für die schönste Kirche in Paris – Saint Chapelle.
Am nächsten Tag (bewusst schreibe ich nicht Morgen) probiere ich einen weiteren Restauranttipp von Ramsi aus, auch lecker. Danach mein vorher eigentlich einziger feste Programmpunkt in Paris: die Cathédrale Notre-Dame de Paris, frisch restauriert nach dem Feuer. Obwohl erst seit 2024 offen, wirkt sie viel altmodischer als die anderen besuchten Sakralbauwerke auf meiner Reise. Es entstehen einige Fotos, schön ist sie schon. Neu gestaltet ist das Reliquar für die Dornenkrone, die Jesus bei der Kreuzigung getragen hat. DAS Original! Echt! Doppelschwör! Rund um die Kathedrale sind lauter Seitenkapellen, jeweils anderen Heiligen geweiht. Eine davon ist Saint Paul Chen geweiht, die Bilder mit chinesischen Schriftzeichen. Smart move – so fühlen sich die tausende Asiatischen Touristen auch gut aufgehoben. Die Kirche kostet keinen Eintritt, und an diesem kalten Januartag ist auch die Schlange bis man reinkommt sehr kurz.


















Ich mache mich auf den Weg zu Saint Chapelle. Hier werden Eintrittspreise von 22 Euro aufgerufen, doch ich bekomme einen 6 € Rabatt, weil ich EU-Bürger bin. Erst fürchte ich, dass mich Julia verarscht hat: ein niedriges Gewölbe – tatsächlich sehr hübsch bemalt, ein paar Restaurierungsbruchstücke aber zB keine Fenster. Per Chat dirigiert mich Julia aus der Kellerkapelle in die eigentlich Kirche – das ist schon besser. Die größte Attraktion sind die 15 Fenster aus Buntglas, die insgesamt 1113 Szenen aus der Bibel darstellen – das sind weniger als 1,5 Cent pro Szene. Es wird auch noch fleißig fertig-restauriert, dabei mit der cleversten Baugerüstverkleidung die mir je aufgefallen ist – es ist komplett mit einer Spiegelfolie verkleidet, und da die Kirche ja recht einheitlich ist, fällt es kaum auf. Nur wenn man sich im Verhältnis dazu bewegt, wandern manche Objekte entgegen der erwarteten Richtung.



















Und nu? Dass ich nicht genug Zeit hab, um mir viel wirklich anzusehen ist klar, also vielleicht wenigstens meine Leser mit eigenen Bilder vom Eiffelturm und so erfreuen. Die wenige Sonne steht immerhin gut für Fotos vom Trocadéro aus. Und cool, es gibt einen Bus dorthin, also a bisserl Stadtrundfahrt. Ich halte meine Navigo Easy Karte an den Leser, und der brummt böse. Hallo? Nochmal. Brumm. Aber der Busfahrer ist freundlich und erklärt: Ich habe wahrscheinlich nur Tickets für Metro gekauft, es gibt aber auch noch welche für 20 Cent weniger, die nur in Bus und Tram funktionieren. Mit einer App könnte ich eine solche Busfahrkarte per ‚telechargement‘ erwerben, ich darf auch gerne derweil im Bus bleiben und weiterfahren. Again what learned.
Also ein paar Fotos vom Eiffelturm, und dann wieder mit dem Bus zum Arc de Triomphe. Ich bin noch innerhalb der 90 Minuten, zu der die Karte berechtigt, und siehe da, es funktioniert. Der Kartenleser blippt freundlich und teilt mir mit: Fahrt ohne Berechnung. Fotos vom Triumphbogen erst im günstigen Licht des trüben Sonnenuntergangs, und danach in der blauen Stunde mit Beleuchtung. Der Verkehr auf dem Étoile ist überraschend ruhig und diszipliniert. Es bräuchte hier ein paar Taxifahrer aus Casablanca, das würde mehr Stimmung in die Bude bringen.









Noch ein paar Meter auf der Av. Des Champs Élysées, und dann wieder ins Hotel. Abends folge ich der Hotelempfehlung, war auch gut.








Mein Zug am Mittwoch geht um 15:55 – was mache ich mit dem Tagesfragment? Place du Vosges, ein Croissant mit einem Café au lait, und mit der Metro zum Place de la Concorde. Als Kind war ich sehr enttäuscht, dass der Platz nichts mit dem Flugzeug zu tun hat, nur blöde Brunnen und Säulen. ChatGPT hilft mir, dieses Manko zu heilen.















Danach durch den Jardin des Tuileries (der wahrscheinlich im Frühling oder Sommer mehr hermacht), am Louvre vorbei, etwas japanisches Essen (typisch französisch), und weiter an der Oper vorbei zu den Galeries Lafayette. Eigentlich wollte ich dort einen Kaffee trinken, aber vorher springt mich die Bar an der Weinabteilung an. Vielleicht ist ein Champagner stilvoller? In der Weinabteilung gibt es einen Sondertempel – ein Schrein dem Wein gewidmet. Ich sehe eine Flasche 1er Cru Supérieur Sauternes von dem Weingut Château d’Yquem von 1899 für 16.500 €; vielleicht das nächste Mal.

















Die Zugverbindung von Paris nach München erfordert ein Umsteigen in Stuttgart. Als ich das bei der Buchung gesehen hab, habe ich beschlossen, noch kurz bei Corinna und JUB in Fellbach vorbeizugucken. Die Fahrt von Paris nach Stuttgart dauert dreieinhalb Stunden, die ersten knapp zwei Stunden nach Strasbourg wieder im Full-TGV-Mode: ohne halt mit durchschnittlich 280 km/h. Am nächsten Morgen dann noch nach München, mit dem Deutschlandticket, was sich ja sonst im Januar nicht gelohnt hätte.






Paris gefällt mir richtig gut – da muss ich mal wieder hin, mit viel mehr Zeit. Die Stadt trieft vor Geschichte und Pracht, das ist man aus Deutschland gar nicht gewohnt. Sehr gut, dass General Dietrich von Choltitz sich damals Hitlers Befehl widersetzt hat, die Stadt in Anbetracht der Niederlage dem Erdboden gleich zu machen. Wenn also einer von Euch nach Paris will, und einen Mitreisenden sucht – pick me!










































































































































































































































