Unsere Gruppe konnte sich schnell auf Anreisetag und ungefähre Route einigen. Das mit der Rückreise hat etwas länger gedauert. Erst wirkte es, als wäre Frank der erste, der uns verlassen müsste, am 6. Januar, um am 7. wieder arbeiten zu können. Ich wäre mit den Mädels noch nach Casablanca und evtl. Rabat gefahren, und wir dann zu dritt mit der Fähre zurück nach Spanein. Dann bekamen die Mädels einen Flug von Fes nach Malaga am 5. Januar mit Ryanair. Und Frank hat einen Flug am 6. von Casablanca aus bekommen (es war nimmer viel frei, insgesamt). Er wäre dann von Fes aus mit dem Zug nach Casa gefahren, oder mit Zwischenstopp in Rabat. Was wollte ich? Ich stellte fest, dass ich auch nicht noch mehrere Tage in einer der Städte verbringen wollte, und auch nicht an den Strand. Also entschlossen sich Frank und ich, am 5. die Mädels in Fes zurückzulassen, und noch über Rabat nach Casablanca zu fahren. Von dort aus fliegt Frank heim, und ich fahre am nächsten Tag mit Zug nach Tanger zur Fähre. Also brechen wir am 5. früh morgens auf, und fahren zügig auf der Autobahn nach Rabat, teilweise im strömenden Regen. Rabat ist die Hauptstadt, bekannt für den Hassan-Turm, ein Mausoleum, eine verwinkelte Medina, Königspalast und die Kasbah des Oudayas. Das würden wir wohl an einem Tag schaffen, dann Abends noch nach Casablanca huschen und in Rick’s Café etwas Tourismus-Nepp über uns ergehen zu lassen.
So kommt es auch im wesentlichen. Wir besichtigen den Hassan-Turm und das Mausoleum (praktischerweise direkt nebeneinander) in einer Regenpause, Essen zu mittag, und fahren dann zu der Kasbah (hier ist es eine von Mauern umgebene Siedlung auf einem Hügel an der Flußmündung, mit weiß gekalkten Häusern und interessanten Türen). Der Regen droht ständig. Die Medina schenken wir uns, wird schon nicht sooooo anders sein als die anderen, und der Palastgarten schreckt uns mit einem Zwangsführer ab. Wir haben übrigens die Preise für Souvenirs verglichen: Kein Rabatt in Rabat.
Tour Mohammed VIThéâtre RoyalMausoleum Mohammed V…wird bewachtTour Hassanunbekanntes Nebengebäudeist das die Maus?Tour Hassan und Mausoleum Mohammed VKasbah von außenBefestigungSiedlungSalé – nördliche Partnerstadt von RabatWandkachelGassen…Gassen…Gassen…Nekropole nebenanKasbah des OudayasWas ist das?StadtbildTesting the AtlanticPlage de Sable d’OrAbfahrt aus Rabat
Über einen Umweg an den Plage de Sable d’Or (Betrug: Der Sand ist gar nicht aus Gold) fahren wir nach Casablanca. Die Strecke bis zum Hotel ist noch weitesgehend entspannt. Am Abend noch etwas Spannung mit dem Mietwagen, einen abendlichen Besuch an der drittgrößten Moschee der Welt, und Abendessen bei Rick’s – alles in anderen Beiträgen.
Das Wetter für unsere Reise in Marokko ist ungewöhnlich: es regnet viel. Der ganze heutige Tag in Fes soll verregnet sein. Schon vor dem Aufstehen trommelt es auf das Dach neben dem Zimmer. Wir beschließen also einen etwas reduzierten Tag, so dass man evtl. auch einfach wieder ins Hotel geht und dort etwas schläft… ähhh, natürlich Blog schreibt. In den Souks von Marrakesch haben wir einige Läden gesehen, die Leuchten aus durchbrochenem und teilweise ziseliertem Messing Blech anbieten. Frank braucht noch etwas für seine Wohnung, ich habe nichts Besseres vor. Also machen wir uns auf den Weg zu „Fez Lamps“, eine ChatGPT Empfehlung. Wir lassen uns in zwei Läden vollquatschen, werfen ein paar Ideen hin und her, und verlassen dann erstmal den Laden. Gerade regnet es nicht, und sehr bekannt an Fes sind die Gerbereien – wenn ich’s richtig verstanden habe, sogar Weltkulturerbe. Nach einiger Analyse läuft es wie folgt ab: In der Mitte eines Blocks sind die eigentlichen Gerbe-Becken. Drum herum sind höhere Häuser, von deren Dachterrasse aus man das Gerbe-Treiben beobachten kann. Auf die Terrassen kommt man durch die zufällig in den Häusern befindlichen Lederwaren Shops. Man wird meist auf der Straße abgefangen, und ein freundlicher Mensch erklärt einem, dass man hier – und nur hier – kostenlos zur Besichtigung käme. Er führt einen dann persönlich nach oben, und ignoriert den Ladenbetrieb dabei. Kurz vor der Terrasse wird einem dann ein kleines Büschel Minze in die Hand gedrückt: „organic gas mask“. So gerüstet kommen wir auf die erste Terrasse. Mohammed erklärt in holprigem Deutsch (Meine Zusammenfassung dann weiter unten). Danach sind wir hier fertig, er führt uns durch die Läden herunter. Mich würde vielleicht ein solider Ledergürtel aus Dromedar interessieren, aber 35€ Anfangsgebot finde ich etwas zu heftig. Wir gehen wieder, und Mohammed verlangt ein Trinkgeld. Von der ersten Dachterrasse aus war die Perspektive auf die Becken nicht sehr gut, es sind noch ein paar kleinere Häuschen teilweise im Weg. Aber gegenüber, vor dort aus würde es die Sichteinschränkung wahrscheinlich nicht geben, und auch dort stehen Touristen und beobachten das Treiben. Wir schätzen die Lage in Google Maps ab, und machen uns auf den Weg. Und tatsächlich, in einer kleinen Gasse fängt uns Aziz mit einer schicken Lederjacke ab, same procedure as last time. Wir sind genau auf der gewünschten Terrasse gelandet. Der Blick ist tatsächlich viel besser. Leider sind die Becken nicht so farbenfroh wie auf vielen Bildern. Wir versuchen das zu ergründen, und hier sind ein paar mögliche Erklärungen: Mode – die knalligen Farben werden nicht mehr so verlangt. Jahreszeit – im Winter regnet es mehr, und verwässert die Becken, bzw. sie laufen ineinander über, deshalb eher ähnliche (bräunliche) Farben. UNESCO – das Kulturerbe verpflichtet dazu, dass keine modernen chemischen Farben eingesetzt werden. Dennoch, im Laden beteuern sie, dass auch knall-gelb, -rot und -blau rein natürlich sind. Ich bleibe skeptisch. In diesem Laden soll der Gürtel 50 € kosten, ich lehne dankend ab, aber Aziz nimmt kein Trinkgeld.
Blick leicht verdecktWaschtrommelWeg zur 2. Terrasserechts gerben, links färbenEin paar FarbspritzerTrocknenGerbereien in Fes
Technische Zusammenfassung: Die Häute kommen vom Schlachthof – kein Tier wird für das Leder geschlachtet. Verarbeitet werden Dromedare, Schafe, Ziegen und Kühe. Als erstes kommen die Häute in ein Bad aus Wasser, Kalk (Limestone), und Taubenkacke (liefert Ammoniak). Dort wird das Leder weich, und das Fell lässt sich leicht abschaben (wird dann als Sofa-Füllung verwendet). Danach werden die Häute in anderen Becken gefärbt, nur mit rein natürlichen Farbstoffen wie Henna, Mohn, Indigo, Kohle, Safran – kein Gift bei uns! Dann muss das Leder komplett trocknen. Nach dieser Behandlung ist das Leder perfekt, weich, geruchsarm. Je nach Tier hat das Leder andere Eigenschaften und ist für andere Produkte geeignet, Ziege wäre besonders leicht und auch wasserfest.
Frank und ich trinken noch einen Kaffee, schön entspannt mit Blick auf ein hübsches Tor, einen interessanten Brunnen, und lauter Touristen die davor Selfies machen. Wir erörtern noch den möglichen Einsatz der Leuchten, die uns am besten gefallen haben, und such wieder Sqalli von Fez Lamps auf. Wir werden uns einig, auch ich kaufe eine Leuchte. Während diese verpackt werden, kommen mir noch ein paar Ideen, kleine Leuchte mit arabischer Inschrift – Ich kann mir den Text aussuchen, er lässt die Leuchte in seiner Factory fertigen, und schickt sie nach Europa. Das Ganze wollen wir per WhatsApp abwickeln. Ich bin dann mal gespannt.
KaffeetscherlBrunnenLeuchtenladenso eine Leuchte…… mit so einer Inschrift?Leuchtenkauf
Die Mädels haben ein tolles Restaurant in einem restaurierten Haus gefunden. Das Essen ist lecker, und das Gebäude beeindruckend. Wir sind die letzten Gäste der Mittagsschicht, und die Wirtin erzählt noch einiges – auch dass sie noch ein Gäste-Riad haben. Das besichtigen wir auch noch – für Euch gibt es deshalb eine Sammlung von entsprechenden Bildern, mit vielen kunstvollen Zimmerdecken.
noch beim restaurierenhistorisches Gebäude (restauriert)
Danach noch ein paar Runden durch den Souk, wo sich die Stimmung um 17:00 plötzlich ändert. Die Händler preisen auf einmal nichts mehr an, kein freundliches „Hello, where are you from?“ Statt dessen klingen aus allen Läden Fußballkommentatoren, und alle kleben an Ihre Handys oder Fernsehern.
Dabei ist diese Kombination aus Medina und Souk eigentlich das Beste an Marokko. Medina ist wörtlich für Stadt, meint aber meist die Altstadt, und Souk (auch Suq) ist Markt, könnte also auch einen EDEKA bezeichnen. Fes ist auf Hügeln gebaut, die Stadtplaner (wenn es überhaupt welche gab) mochten keine klaren Straßenblocks, und so ist es ein echtes Erlebnis. Da die meisten Häuser ’nach innen‘ gebaut sind, sind die Gassen winzig. Das Riad wo wir aßen ist typisch, man läuft durch enge, schmucklose Gassen, denkt sich a bisserl „Pfui“, dann geht eine Tür auf und „Hui“. Google Maps hilft nicht 100% weiter – es kennt nicht alle Wege, halluziniert manche dazu, und GPS funktioniert in den engen, teils gegen Sonne überdachten Gassen auch nicht ganz. Wenn man es anmacht, wabert der blaue Punkt des eigenen Standortes erst einmal auf dem Bildschirm umher, schon wieder 300 Schritte geloggt. Eigentlich ist es erstaunlich teil-sauber; d.h. dass sich die Stadt Mühe gibt, dass es nicht ekelig wird. Klar liegt mal etwas Müll herum, oft aber schon in Tüten, und es ist ein fast schon romantisches Bild des teilweisen Verfalls.
Die Souks sind meist nur kleine Ladengeschäfte, oder sehen zumindest so aus, und bieten alles mögliche feil. Klar, das klassische Tourismus und Souvenirgeschäft, Schmuck, echte marokkanische Kleidung, Lederwaren, Gewürze, Parfüms, Nougat, Nüsse, Öle, Teppiche und Leuchten. Einige der kleinen Geschäfte überraschen aber auch. Wenn man in den ca. 4 Meter breiten Verkaufsraum für Leuchten eintritt, wird man weiter nach hinten geführt. Der Laden hat noch einen großen Raum dahinter, der große Raum ist hinter zwei anderen kleinen Läden für andere Produkte, und dann ist er noch der Hinterraum für ein anderes Leuchtengeschäft, welches man von der Gasse aus als gänzlich anderes gesehen hätte. Und dann geht’s noch in den zweiten Stock. Aber auch Waren des täglichen Gebrauchs sind erhältlich, die dann in ihrem Chaos etwas organisierter auftreten. Vom Hotel zum Leuchtenladen kommen wir erst durch die Gemüsegasse, und dann durch die Fleischgasse. Das Gemüse lässt einen vermuten, dass Gemüse in Europa vor dem Supermarktverkauf fast immer gewaschen wird, und es offensichtlich noch viel niedrigere Handelsklassen gibt, als die die man aus Deutschland kennt. Die Leute sind auch hemdsärmeliger. Ein kleiner Gemüsehändler hat eigentlich nur eine kleine Verkaufsnische, in der er sitzt, sein gesamtes Warenangebot liegt vor ihm und sperrt ihn sozusagen ein. Als er dann mal raus muss, steigt er mit seinen Sandalen ganz pragmatisch durch die Kiste mit den Rettichen – die halten halt mehr aus als Tomaten. Die Fleischgasse ist jetzt – im Januar bei 10°C gut auszuhalten. Dennoch kenne ich Leute mit einem schon psychosomatisch empfindlichen Magen, die würden bei dem Anblick Durchfall bekommen. Wie das Ganze im Sommer bei 40° ist, das möchte ich mir eigentlich gar nicht genau ausmalen. Neben den Händlern, Käufern und Touristen gibt es noch eine erhebliche Gruppe an Katzen. Die werden freundlich toleriert und kümmern sich um wenig.
Von Merzouga nach Fes sind es fast 500km und damit fast acht Stunden Fahrt. Vielleicht halten wir irgendwo in der Mitte an? Da gibt es einen Ort, passenderweise „Midelt“ genannt, da reservieren wir ein Hotel. Ich schreibe Blog und lade Fotos hoch, die anderen gucken sich die Stadt an, und kundschaften das Restaurant aus. Kurz vor acht geht es dann los, das Restaurant heißt witzigerweise Merzouga. Leckere Fleischspießchen satt. Die Mädels haben noch einen freundlichen, spanischsprechenden Berber gefunden, der uns nach dem Essen einlädt, dass wir uns Teppiche ansehen. Er breitet eine riesige Auswahl aus, erklärt Materialien und Symboliken, der Arbeitsaufwand für jeden Teppich. Preise sind ihm nicht zu entlocken. Wir sollen danach sagen, welche uns gefallen, und welche gar nicht in Frage kämen. Danach würde man sich – Insh’Allah – sicher auf einen Preis einigen. Ich habe im Iran einige Teppiche gekauft, eigentlich brauche ich nix. Ein paar wären hübsche Souvenirs, aber… Adriana und Diana verhandeln ernsthafter. So langsam kristallisiert sich auch eine Preisvorstellung heraus, aber es sprengt definitiv das, was ich für einen Impulskauf bereit bin zu zahlen. Am Ende wird es ein kleiner Kelim für die Mädels für 90€.
Restaurant MerzougaTeppichkauf
Am nächsten Morgen wollen wir früh aufstehen, vor Fes noch die Stadt Meknes besuchen, mit einem sehenswerten Stadttor. Das Frühstück im Hotel ist gigantisch: Suppe, frisch gepresster Orangensaft, Omelett, ganz dünnes gebratenes Brot und Kaffee aus einer großen Espresso-Maschine. Dann geht’s los über die Berge. Google weist eine Straßensperrung auf der N13 aus, aber ich (ver)fahre etwas nach Gefühl, und als wir den Fehler bemerken, sind wir schon an dem für die Sperrung notwendigen Schlagbaum vorbei. Er war offen. Die Landschaft hier ist extrem, und ändert sich jetzt schnell. Tatsächlich liegt Schnee neben der Straße, vom Pflug auf ca. 1m Höhe aufgeschoben, und auch auf dem Gelände daneben. Aber die Straße ist trocken, auch bis hin zu den Schneehaufenrändern. Hoch geht es durch einen leichten Mischwald, dann sind wir auf einer Ebene. An einigen Stellen wird wild geparkt, findige Marokkaner verleihen selbstgebaute Schlitten auf ausrangierten Ski. Etwas weiter ein echter Parkplatz, der ganze Berg ist voller Menschen. Dann noch etwas weiter ein Parkplatz am „Parc des Macaques de Barbarie“, im „Reserve naturelle de cèdres“. Hier wird nicht nur am Rande des Waldes Schlitten gefahren, auf den Bäumen und darum sitzen Affen – Makakken. Adriana und Diana haben ein paar Apfelbutzen, Cashewnüsse zum Verfüttern, und sind kurz darauf bei den Affen sehr beliebt. Es werden immer mehr, sie fangen an Hosen zu zupfen, und greifen nach den Händen, aus denen für andere Affen Nüsse kamen. Es wir den Mädels langsam ungeheuer; mein Mitleid hält sich in Grenzen.
SchlittenfahrenMassenwintersportA****loch!
Ein paar Parkplätze weiter ist wieder ein Töpferei Großhandel. Ich habe mich im Wüstencamp mit dem Koch nach dem fairen Preis für eine Tajine erkundigt, deshalb lache ich den Verkäufer aus, als er mir 15€ als Preis nennt. Ich fange mit 4 € an, Ziel ist 5,50 €. Am Ende einigen wir uns auf 7€. Wir fahren wieder von den Bergen hinab in die Ebene, die sich nördlich des Atlas-Gebirges hinzieht. Zwischendrin ist neben der Straße tatsächlich Wiese, saftige grüne Wiese. Auch Obst und Bäume dazu gibt es in Hülle und Fülle. Dann sind wir in Meknes, und fahren zum Stadttor. Ein freundlicher Berber zeigt uns einen Parkplatz, erzählt etwas, und ist durch unser Sprachwirrwarr irritiert. Es stellt sich heraus, dass er für uns den Stadtführer machen, und wir wollten eigentlich nur das Stadttor fotografieren und etwas essen. Das Essen ist lecker und reichhaltig, alle außer mir essen eine Pastilla: ein Gebäck gefüllt mit Hühnchen, Gemüse und exotischen Gewürzen. Besonders daran ist, dass sich das Gericht unschlüssig ist, ob es jetzt süß oder herzhaft ist. Die Füllung ist in etwas ähnlichem wie Yufka-Teig gehüllt, und mit Puderzucker und Zimt bestreut. Ich nehme eine Tajine mit Pflaumen und Aprikosen, muss mich für meine neue Tajine inspirieren lassen. Danach verlaufen wir uns noch ein wenig durch die Medina bevor wir zum Auto zurückkehren.
es wird grünStadttor von MeknesBlutspendedienstIst Restaurant Gastronomique nicht irgendwie doppelt?Tajine mit Pflaumen und AprikosenPastilla
Nach Fes ist es danach nur noch 1 ½ Stunden, ich werde zu einem öffentlichen Parkplatz gelotst. Nach einem kurzen WhatsApp Chat kommt ein freundlicher Marokkaner mit einer Art Schubkarre. Er wird uns das Hotel zeigen, und lädt unser Gepäck auf seine Karre.
Unser Hotel ist wieder ein Riad – das ist ein Marokkanischer Häusertyp, eher quadratisch im Grundriss, meist mit 2-3 Vollgeschossen und einer Dachterasse. In der Mitte ist das Haus offen, der erste Stock ist also ein nach innen gerichteter Balkon / Laubengang, von dem aus die Zimmer weggehen. Im Erdgeschoss ist in der Mitte zumindest Platz für einen Brunnen, und meistens ist auch einer. Es gehen kaum Fenster nach außen, sondern alle in den Innenhof, Fenster nach außen wären auch problematisch, weil die Riads alle dicht an dicht stehen. Um halb acht machen wir uns auf den Weg in die Stadt. Ich könnte gut ein paar Fleischspießchen verdrücken, aber der Rest behauptet, keinen Hunger zu haben. Adriana vermisst Bier, und fragt Google. Google führt uns zu einem Hotel mit dem Britisch Saloon und der Churchill Lounge. Hier gibt es Casablanca Bier, für 5 € die 0,33 l Flasche. Mei, zwo Halbe san aa a Schnitzel.
Ahhhh, die Sahara: unendliche Weiten, hohe Dünen, Einsamkeit, beklemmende Stille. Unser Ziel: ein abgelegenes, exklusives Wüstencamp. Soweit die Theorie/Erwartung. Der Sound der Wüste hier: Knattern.
Am 1. Januar brechen wir auf, um in meine Stadt zu fahren: MERZouga. Vielleicht sollte ich auch beleidigt sein, dass sie nur so ein Kaff nach mir benannt haben. Gute 200km, durch weites, weites Land. Es ist hier schon Wüste, aber halt kein Sand. Die Straße führt teilweise schnurgerade zum Horizont.
Fahrt nach Merzouga
In Merzouga finden wir dann das Start-Riad für unser Wüstenerlebnis in Erg Chebbi – so heißt die Sandwüste in diesem Teil Marokkos. Unser Auto ist nicht für die Dünen geeignet, deshalb haben wir den Transfer per Kamel gebucht. Boah, sind die Dinger ungemütlich, mir tut zwei Tage danach immer noch der Hintern weh. Nach einiger Zeit gewöhnt man sich an die Bewegung, muss sich nur noch bei Stellen bergab festhalten. Frank und ich waren 2012 im Oman, und haben da auch eine Nacht in einem Wüstencamp gemacht. Dort war die Wüste aber etwas … weiter. Tatsächlich durchqueren wir die (Sand-)wüste hier in unter 90 Minuten mit dem Kamel (und die Viecher sind nicht schnell, unser Touareg-Führer läuft vorneweg), auch wenn Google Maps zeigt, dass es nicht der breiteste Punkt ist. Somit konzentriert sich das Wüstenerlebnis Marokkos auf diese Dünen. Alles, was sich touristisch mit (Sand-)wüste machen lässt, gibt es hier. Quad-fahren, Buggy fahren, mit der Geländemaschine auf die Dünen pesen, mit dem Kamel durchreiten, auf einem Snowboard die Düne runter surfen, mit dem Geländewagen durchfahren. Der Sound der Wüste also: Knattern. Brumm, Brumm. Die Kamele sind es wohl gewohnt, auch von einer Gruppe Quads überholt zu werden bringt sie nicht aus der Ruhe.
Eindrücke vom Kamel-Ritt
Neben der großen Düne stehen ein paar Zelte zwischen ein paar Bäumen – ob das unser Camp ist? Nein. Ich hatte das mit der doch eher geringen Ausdehnung der Wüste hier nicht auf dem Schirm, und bin etwas irritiert, dass man nach ca. 40 Minuten wieder Palmen und Steinwüste sieht. Und ein paar Zelte. Das Wort „paar“ trägt im Deutschen die Bedeutung ‚wenige‘, es passt hier vielleicht nicht. Tatsächlich sind es mehrere Zeltsiedlungen. Die Zelte sind nicht nomadisch romantisch, sondern eher von dem Typ, der in Flüchtlings-Camps verwendet werden. Von außen; ich befürchte, dass es den Flüchtlingen im Zelt nicht so gut geht. Wir haben Teppiche, ein großes Doppelbett und ein kleineres Bett, ein WC, Waschbecken und Dusche mit reichlich warmen Wasser in einem abgetrennten Bereich. OK, es nannte sich ‚Luxury Camp‘. Es ist eigentlich fast schon too much. Das Restaurant-Zelt ist kommod geheizt, das Essen das internationalste, welches wir bislang hier gegessen haben. Nach dem Essen gibt es noch eine Folklore-Darbietung: Lagerfeuer mit Trommeln. Wir trinken dazu – nun in voller Besetzung – den Champagner vom Duty-Free in Köln
Ankunft im Desert-Luxury-Camp
Am nächsten Morgen Sonnenaufgang gucken, Frühstück, und dann mit dem Jeep zurück nach Merzouga und unserem Auto. Wir machen uns auf den Weg nach Norden, in Richtung Fes. In der ersten Stadt sehe ich einen Laden, der scheinbar Touareg-Tücher verkauft. Ein großes Schild bewirbt sie mit 20 Dirham, ca. 2 €. Wir halten an, erfahren, dass das die billigen Polyester-Tücher sind, aber wie wäre es mit denen hier? Baumwolle bester Qualität, fünf Meter zum Wickeln, nur 100 Dirham. Am Ende werden wir alle fündig, nur sind wir zu blöd zum verhandeln. Aber das ist OK, Mohammed ist eine ehrliche Haut, er verdient bei seinen Preisen sowieso kaum was, würde sich auch wirklich schlecht fühlen, wenn er Touristen über den Tisch ziehen würde.
Am nächsten Morgen geht’s einem von uns nicht so gut, deshalb fangen wir nicht sofort mit der angedrohten Wanderung an. Vielleicht geht es in zwei Stunden besser? Ich nutze die Gelegenheit, um nochmal zwei Stunden im warmen Bett zu verbringen. Gegen Mittag ist das schlimmste vorbei, aber eine Wanderung scheint dennoch nicht opportun. Der Hüttenwirt empfiehlt, ca. 5 km weiter ins Tal zu fahren, da würde es die ‚Zig-Zag-Road‘ geben, das wäre recht sehenswert. Wir fahren, sehen das Werte, und fahren noch etwas weiter. Irgendwann wird aus dem Dadestal wirklich die Dadeschlucht, die Felsen ragen über die Straße hinaus. An einem Schild an einem Parkplatz werden weitere Sehenswürdigkeiten auf einer Karte angepriesen, die aber noch weitere 20km entfernt sind. Die Schlucht weicht wieder einem Tal, das Tal eher ein Hochebene, und dann geht es noch ein wenig weiter die Berge hinauf. Die Landschaft ist begeisternd: rot, weit, karg und immer wieder schneebedeckt. Der Wunsch nach einer Toilette lässt uns in einer Bergmetropole an einem Café anhalten. Der Wirt kann auch Spanisch und unterhält sich mit den Mädels. Eine der gesuchten Sehenswürdigkeiten, sah nach einem versteinerten Wasserfall aus, wäre wegen des Schnees nicht erreichbar, aber nach drei Kilometern rechts, da würde es gehen; nicht zu viel Schnee.
„Zig-Zag road“Hier wird sie dem Namen ‚Schlucht‘ gerechtHalt im CaféDer Wirt gibt Tipps.Dadestal/schlucht nach oben
Wir tun wie uns geheißen wird, konsultieren dann Google Maps, und stellen fest, dass wir auf einer winzigen Straße sind, die das Dadestal vom Toudra-Tal trennt. Das ist doch eine Idee – statt dreißig Kilometer zurück machen wir eine 170km lange Rundtour und besichtigen dabei noch das Nachbartal, auch dieses touristisch hochgelobt. Die Straße ist super ausgebaut, dafür dass man in Google sehr weit hineinzoomen muss, um sie überhaupt zu finden. Oft ist ein Drittel der Straßenbreite Schneebedeckt, aber es gibt nur ca. 20 Stellen, wo wir Reifenspuren zwischen dem Schnee folgen müssen, und insgesamt 15 Meter fahren wir mit unseren Sommerreifen auf Schnee. Alles easy. Aber einsam, einsam ist es wirklich. Dort wo vorher das karg noch manchmal von einem Strauch oder einem Zeichen menschlicher Anwesenheit akzentuiert ist, ist es jetzt nur noch karg, und weiter rot mit Schnee. Es ist hier niemand unterwegs. Sollten wir eine Reifenpanne haben – ob sie uns im Frühling finden? Tatsächlich kommen uns auf den ca. 30 km drei Autos entgegen, jedesmal grüßt man sich begeistert. Selten sehen wir ein geparktes Mofa, und seltsame Kugeln, mit Plastikplanen chaotisch bedeckt. Wohnt hier jemand? Also eher, nomadiert hier jemand? Die Straße führt uns auf 2550m Höhe, das ist mehr als der Tizi Tichka am Tag zuvor. Dann breitet sich vor uns eine von Bergen gesäumte Hochebene aus, in der Ferne ist eine Siedlung zu sehen. Dort muss die große Straße sein, die durch das Toudratal wieder zum südlichen Rand des Atlasgebirges führt.
KarteSchnee auf 2550mbeeindruckende WeitenPräkäre Wohnsituation – ob da wirklich jemand schläft?Hier wohnten definitiv MenschenTraverse zum Toudra-Tal
Als wie sie erreichen, sind wir enttäuscht (vom Zustand der Straße); schmaler, kurviger, viel mehr Schlaglöcher. Immerhin wieder mehr Gegner auf der Straße. Wir fahren, kommen auch hier durch die Toudra-Schlucht, und danach ein Tal voller Palmen. Ich befürchte, die Fotos werden es nicht adequat wiedergeben, deshalb versuche ich hier zu schwärmen. Langsam ist es später Nachmittag, das Licht wird für manche Motive gigantisch. Wir erreichen Tinghir, fahren weitere xx km auf der Nationalstraße bis wieder nach Boumaine kommen, das südliche Ende ‚unseres‘ Tals. Dreißig Kilometer in der Dunkelheit später sind wir wieder in unserer Unterkunft: Silvester ist da!
Toudratal/Schlucht nach unten
Vielleicht sollte ich nebenbei noch kurz erklären, warum ich in Marokko bin, und unsere Gruppe vorstellen. In 2021 sind wir ja nach dem Covid-Winter recht zügig nach Málaga gefahren (also das Schiff nach Marbella), und haben dort Adriana und Diana kennengelernt (Frank kannte Diana schon länger). Über die Jahre haben wir locker Kontakt gehalten, und schon vor einiger Zeit kam die Idee auf, ob wir nicht Lust hätten mit Ihnen nach Marokko zu fahren – als zwei Mädels alleine war ihnen das nicht ganz so geheuer. Und nun haben wir es umgesetzt.
Mimoun, unser Wirt tischt wieder lecker auf. Auberginen-Rouladen mit Kartoffelbrei gefüllt, danach eine große Hühner-Tahine. Dinner 1.0 aus den Fotos hat’s nochmal überlebt. Wir trinken etwas von unserem Duty-Free Rum (den mitgebrachten Bubbly heben wir uns für die Wüste auf – ihn am 1. Januar zu trinken gilt auch noch, oder?) Wir sind heute alleine in der Unterkunft (2 von 3 Zimmer belegt), und die Zeit zwischen Abendessen und kurz vor Mitternacht nutze ich zum Blog schreiben. Zum neuen Jahr bringt Mimoun dem Jahr einen Geburtstagkuchen, mit vier Kerzen, jeder von uns soll eine davon ausblasen. Ich schaue nochmal kurz vor die Tür – Im Tal bleibt es ruhig, kein Feuerwerk hier.
Der Blog wird geschriebenFünf vor zwölfUnser Wirt mit dem Neujahrskuchen…eher wenig FeuerwerkSilvester
Anyway, Happy New Year 2026!
*der Titel – wie so oft – führt in die Irre. Das Dadestal ist zwar aus deutscher Sicht auch wüst, aber ohne Sanddünen. Eigentlich wollten wir wirklich in der Wüste feiern, aber die Übernachtungen in den dortigen Camps haben für die Silvesternacht vierstellige Preise (in Euro) aufgerufen, und am nächsten Abend dann wieder ein Zehntel. Da sind wir vernünftig geblieben.