Silvester in der Wüste*

Am nächsten Morgen geht’s einem von uns nicht so gut, deshalb fangen wir nicht sofort mit der angedrohten Wanderung an. Vielleicht geht es in zwei Stunden besser? Ich nutze die Gelegenheit, um nochmal zwei Stunden im warmen Bett zu verbringen. Gegen Mittag ist das schlimmste vorbei, aber eine Wanderung scheint dennoch nicht opportun. Der Hüttenwirt empfiehlt, ca. 5 km weiter ins Tal zu fahren, da würde es die ‚Zig-Zag-Road‘ geben, das wäre recht sehenswert. Wir fahren, sehen das Werte, und fahren noch etwas weiter. Irgendwann wird aus dem Dadestal wirklich die Dadeschlucht, die Felsen ragen über die Straße hinaus. An einem Schild an einem Parkplatz werden weitere Sehenswürdigkeiten auf einer Karte angepriesen, die aber noch weitere 20km entfernt sind. Die Schlucht weicht wieder einem Tal, das Tal eher ein Hochebene, und dann geht es noch ein wenig weiter die Berge hinauf. Die Landschaft ist begeisternd: rot, weit, karg und immer wieder schneebedeckt. Der Wunsch nach einer Toilette lässt uns in einer Bergmetropole an einem Café anhalten. Der Wirt kann auch Spanisch und unterhält sich mit den Mädels. Eine der gesuchten Sehenswürdigkeiten, sah nach einem versteinerten Wasserfall aus, wäre wegen des Schnees nicht erreichbar, aber nach drei Kilometern rechts, da würde es gehen; nicht zu viel Schnee.

Wir tun wie uns geheißen wird, konsultieren dann Google Maps, und stellen fest, dass wir auf einer winzigen Straße sind, die das Dadestal vom Toudra-Tal trennt. Das ist doch eine Idee – statt dreißig Kilometer zurück machen wir eine 170km lange Rundtour und besichtigen dabei noch das Nachbartal, auch dieses touristisch hochgelobt. Die Straße ist super ausgebaut, dafür dass man in Google sehr weit hineinzoomen muss, um sie überhaupt zu finden. Oft ist ein Drittel der Straßenbreite Schneebedeckt, aber es gibt nur ca. 20 Stellen, wo wir Reifenspuren zwischen dem Schnee folgen müssen, und insgesamt 15 Meter fahren wir mit unseren Sommerreifen auf Schnee. Alles easy. Aber einsam, einsam ist es wirklich. Dort wo vorher das karg noch manchmal von einem Strauch oder einem Zeichen menschlicher Anwesenheit akzentuiert ist, ist es jetzt nur noch karg, und weiter rot mit Schnee. Es ist hier niemand unterwegs. Sollten wir eine Reifenpanne haben – ob sie uns im Frühling finden? Tatsächlich kommen uns auf den ca. 30 km drei Autos entgegen, jedesmal grüßt man sich begeistert. Selten sehen wir ein geparktes Mofa, und seltsame Kugeln, mit Plastikplanen chaotisch bedeckt. Wohnt hier jemand? Also eher, nomadiert hier jemand? Die Straße führt uns auf 2550m Höhe, das ist mehr als der Tizi Tichka am Tag zuvor. Dann breitet sich vor uns eine von Bergen gesäumte Hochebene aus, in der Ferne ist eine Siedlung zu sehen. Dort muss die große Straße sein, die durch das Toudratal wieder zum südlichen Rand des Atlasgebirges führt.

Als wie sie erreichen, sind wir enttäuscht (vom Zustand der Straße); schmaler, kurviger, viel mehr Schlaglöcher. Immerhin wieder mehr Gegner auf der Straße. Wir fahren, kommen auch hier durch die Toudra-Schlucht, und danach ein Tal voller Palmen. Ich befürchte, die Fotos werden es nicht adequat wiedergeben, deshalb versuche ich hier zu schwärmen. Langsam ist es später Nachmittag, das Licht wird für manche Motive gigantisch. Wir erreichen Tinghir, fahren weitere xx km auf der Nationalstraße bis wieder nach Boumaine kommen, das südliche Ende ‚unseres‘ Tals. Dreißig Kilometer in der Dunkelheit später sind wir wieder in unserer Unterkunft: Silvester ist da!

Vielleicht sollte ich nebenbei noch kurz erklären, warum ich in Marokko bin, und unsere Gruppe vorstellen. In 2021 sind wir ja nach dem Covid-Winter recht zügig nach Málaga gefahren (also das Schiff nach Marbella), und haben dort Adriana und Diana kennengelernt (Frank kannte Diana schon länger). Über die Jahre haben wir locker Kontakt gehalten, und schon vor einiger Zeit kam die Idee auf, ob wir nicht Lust hätten mit Ihnen nach Marokko zu fahren – als zwei Mädels alleine war ihnen das nicht ganz so geheuer. Und nun haben wir es umgesetzt.

Mimoun, unser Wirt tischt wieder lecker auf. Auberginen-Rouladen mit Kartoffelbrei gefüllt, danach eine große Hühner-Tahine. Dinner 1.0 aus den Fotos hat’s nochmal überlebt. Wir trinken etwas von unserem Duty-Free Rum (den mitgebrachten Bubbly heben wir uns für die Wüste auf – ihn am 1. Januar zu trinken gilt auch noch, oder?) Wir sind heute alleine in der Unterkunft (2 von 3 Zimmer belegt), und die Zeit zwischen Abendessen und kurz vor Mitternacht nutze ich zum Blog schreiben. Zum neuen Jahr bringt Mimoun dem Jahr einen Geburtstagkuchen, mit vier Kerzen, jeder von uns soll eine davon ausblasen. Ich schaue nochmal kurz vor die Tür – Im Tal bleibt es ruhig, kein Feuerwerk hier.

Anyway, Happy New Year 2026!

*der Titel – wie so oft – führt in die Irre. Das Dadestal ist zwar aus deutscher Sicht auch wüst, aber ohne Sanddünen. Eigentlich wollten wir wirklich in der Wüste feiern, aber die Übernachtungen in den dortigen Camps haben für die Silvesternacht vierstellige Preise (in Euro) aufgerufen, und am nächsten Abend dann wieder ein Zehntel. Da sind wir vernünftig geblieben.

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