Das Wetter für unsere Reise in Marokko ist ungewöhnlich: es regnet viel. Der ganze heutige Tag in Fes soll verregnet sein. Schon vor dem Aufstehen trommelt es auf das Dach neben dem Zimmer. Wir beschließen also einen etwas reduzierten Tag, so dass man evtl. auch einfach wieder ins Hotel geht und dort etwas schläft… ähhh, natürlich Blog schreibt. In den Souks von Marrakesch haben wir einige Läden gesehen, die Leuchten aus durchbrochenem und teilweise ziseliertem Messing Blech anbieten. Frank braucht noch etwas für seine Wohnung, ich habe nichts Besseres vor. Also machen wir uns auf den Weg zu „Fez Lamps“, eine ChatGPT Empfehlung. Wir lassen uns in zwei Läden vollquatschen, werfen ein paar Ideen hin und her, und verlassen dann erstmal den Laden. Gerade regnet es nicht, und sehr bekannt an Fes sind die Gerbereien – wenn ich’s richtig verstanden habe, sogar Weltkulturerbe. Nach einiger Analyse läuft es wie folgt ab: In der Mitte eines Blocks sind die eigentlichen Gerbe-Becken. Drum herum sind höhere Häuser, von deren Dachterrasse aus man das Gerbe-Treiben beobachten kann. Auf die Terrassen kommt man durch die zufällig in den Häusern befindlichen Lederwaren Shops. Man wird meist auf der Straße abgefangen, und ein freundlicher Mensch erklärt einem, dass man hier – und nur hier – kostenlos zur Besichtigung käme. Er führt einen dann persönlich nach oben, und ignoriert den Ladenbetrieb dabei. Kurz vor der Terrasse wird einem dann ein kleines Büschel Minze in die Hand gedrückt: „organic gas mask“. So gerüstet kommen wir auf die erste Terrasse. Mohammed erklärt in holprigem Deutsch (Meine Zusammenfassung dann weiter unten). Danach sind wir hier fertig, er führt uns durch die Läden herunter. Mich würde vielleicht ein solider Ledergürtel aus Dromedar interessieren, aber 35€ Anfangsgebot finde ich etwas zu heftig. Wir gehen wieder, und Mohammed verlangt ein Trinkgeld. Von der ersten Dachterrasse aus war die Perspektive auf die Becken nicht sehr gut, es sind noch ein paar kleinere Häuschen teilweise im Weg. Aber gegenüber, vor dort aus würde es die Sichteinschränkung wahrscheinlich nicht geben, und auch dort stehen Touristen und beobachten das Treiben. Wir schätzen die Lage in Google Maps ab, und machen uns auf den Weg. Und tatsächlich, in einer kleinen Gasse fängt uns Aziz mit einer schicken Lederjacke ab, same procedure as last time. Wir sind genau auf der gewünschten Terrasse gelandet. Der Blick ist tatsächlich viel besser. Leider sind die Becken nicht so farbenfroh wie auf vielen Bildern. Wir versuchen das zu ergründen, und hier sind ein paar mögliche Erklärungen: Mode – die knalligen Farben werden nicht mehr so verlangt. Jahreszeit – im Winter regnet es mehr, und verwässert die Becken, bzw. sie laufen ineinander über, deshalb eher ähnliche (bräunliche) Farben. UNESCO – das Kulturerbe verpflichtet dazu, dass keine modernen chemischen Farben eingesetzt werden. Dennoch, im Laden beteuern sie, dass auch knall-gelb, -rot und -blau rein natürlich sind. Ich bleibe skeptisch. In diesem Laden soll der Gürtel 50 € kosten, ich lehne dankend ab, aber Aziz nimmt kein Trinkgeld.













Technische Zusammenfassung: Die Häute kommen vom Schlachthof – kein Tier wird für das Leder geschlachtet. Verarbeitet werden Dromedare, Schafe, Ziegen und Kühe. Als erstes kommen die Häute in ein Bad aus Wasser, Kalk (Limestone), und Taubenkacke (liefert Ammoniak). Dort wird das Leder weich, und das Fell lässt sich leicht abschaben (wird dann als Sofa-Füllung verwendet). Danach werden die Häute in anderen Becken gefärbt, nur mit rein natürlichen Farbstoffen wie Henna, Mohn, Indigo, Kohle, Safran – kein Gift bei uns! Dann muss das Leder komplett trocknen. Nach dieser Behandlung ist das Leder perfekt, weich, geruchsarm. Je nach Tier hat das Leder andere Eigenschaften und ist für andere Produkte geeignet, Ziege wäre besonders leicht und auch wasserfest.
Frank und ich trinken noch einen Kaffee, schön entspannt mit Blick auf ein hübsches Tor, einen interessanten Brunnen, und lauter Touristen die davor Selfies machen. Wir erörtern noch den möglichen Einsatz der Leuchten, die uns am besten gefallen haben, und such wieder Sqalli von Fez Lamps auf. Wir werden uns einig, auch ich kaufe eine Leuchte. Während diese verpackt werden, kommen mir noch ein paar Ideen, kleine Leuchte mit arabischer Inschrift – Ich kann mir den Text aussuchen, er lässt die Leuchte in seiner Factory fertigen, und schickt sie nach Europa. Das Ganze wollen wir per WhatsApp abwickeln. Ich bin dann mal gespannt.







Die Mädels haben ein tolles Restaurant in einem restaurierten Haus gefunden. Das Essen ist lecker, und das Gebäude beeindruckend. Wir sind die letzten Gäste der Mittagsschicht, und die Wirtin erzählt noch einiges – auch dass sie noch ein Gäste-Riad haben. Das besichtigen wir auch noch – für Euch gibt es deshalb eine Sammlung von entsprechenden Bildern, mit vielen kunstvollen Zimmerdecken.


























Danach noch ein paar Runden durch den Souk, wo sich die Stimmung um 17:00 plötzlich ändert. Die Händler preisen auf einmal nichts mehr an, kein freundliches „Hello, where are you from?“ Statt dessen klingen aus allen Läden Fußballkommentatoren, und alle kleben an Ihre Handys oder Fernsehern.
Dabei ist diese Kombination aus Medina und Souk eigentlich das Beste an Marokko. Medina ist wörtlich für Stadt, meint aber meist die Altstadt, und Souk (auch Suq) ist Markt, könnte also auch einen EDEKA bezeichnen. Fes ist auf Hügeln gebaut, die Stadtplaner (wenn es überhaupt welche gab) mochten keine klaren Straßenblocks, und so ist es ein echtes Erlebnis. Da die meisten Häuser ’nach innen‘ gebaut sind, sind die Gassen winzig. Das Riad wo wir aßen ist typisch, man läuft durch enge, schmucklose Gassen, denkt sich a bisserl „Pfui“, dann geht eine Tür auf und „Hui“. Google Maps hilft nicht 100% weiter – es kennt nicht alle Wege, halluziniert manche dazu, und GPS funktioniert in den engen, teils gegen Sonne überdachten Gassen auch nicht ganz. Wenn man es anmacht, wabert der blaue Punkt des eigenen Standortes erst einmal auf dem Bildschirm umher, schon wieder 300 Schritte geloggt. Eigentlich ist es erstaunlich teil-sauber; d.h. dass sich die Stadt Mühe gibt, dass es nicht ekelig wird. Klar liegt mal etwas Müll herum, oft aber schon in Tüten, und es ist ein fast schon romantisches Bild des teilweisen Verfalls.
Die Souks sind meist nur kleine Ladengeschäfte, oder sehen zumindest so aus, und bieten alles mögliche feil. Klar, das klassische Tourismus und Souvenirgeschäft, Schmuck, echte marokkanische Kleidung, Lederwaren, Gewürze, Parfüms, Nougat, Nüsse, Öle, Teppiche und Leuchten. Einige der kleinen Geschäfte überraschen aber auch. Wenn man in den ca. 4 Meter breiten Verkaufsraum für Leuchten eintritt, wird man weiter nach hinten geführt. Der Laden hat noch einen großen Raum dahinter, der große Raum ist hinter zwei anderen kleinen Läden für andere Produkte, und dann ist er noch der Hinterraum für ein anderes Leuchtengeschäft, welches man von der Gasse aus als gänzlich anderes gesehen hätte. Und dann geht’s noch in den zweiten Stock. Aber auch Waren des täglichen Gebrauchs sind erhältlich, die dann in ihrem Chaos etwas organisierter auftreten. Vom Hotel zum Leuchtenladen kommen wir erst durch die Gemüsegasse, und dann durch die Fleischgasse. Das Gemüse lässt einen vermuten, dass Gemüse in Europa vor dem Supermarktverkauf fast immer gewaschen wird, und es offensichtlich noch viel niedrigere Handelsklassen gibt, als die die man aus Deutschland kennt. Die Leute sind auch hemdsärmeliger. Ein kleiner Gemüsehändler hat eigentlich nur eine kleine Verkaufsnische, in der er sitzt, sein gesamtes Warenangebot liegt vor ihm und sperrt ihn sozusagen ein. Als er dann mal raus muss, steigt er mit seinen Sandalen ganz pragmatisch durch die Kiste mit den Rettichen – die halten halt mehr aus als Tomaten. Die Fleischgasse ist jetzt – im Januar bei 10°C gut auszuhalten. Dennoch kenne ich Leute mit einem schon psychosomatisch empfindlichen Magen, die würden bei dem Anblick Durchfall bekommen. Wie das Ganze im Sommer bei 40° ist, das möchte ich mir eigentlich gar nicht genau ausmalen. Neben den Händlern, Käufern und Touristen gibt es noch eine erhebliche Gruppe an Katzen. Die werden freundlich toleriert und kümmern sich um wenig.















Schöne Raumausstattung an den Decken und Wänden. Historisches und denkmalgeschützte Gebäude sind ganz mein Ding 🤩