Mõntu

„Do you speak English?“ „No“
„Sprechen Sie Deutsch?“ „No“
„Hablan Usted Español?“ „No“
„Parlez-vous francais?“ „No“

„…“ „Gawarit pa Russky?“ Gequält gebe ich zu: „Tschut-tschut“, was meiner Erinnerung nach ein ganz kleines Bisschen bedeutet. Na gut. Besonders konstruktiv wird das Gespräch nicht, weil ich halt gerade weder 200g Vodka noch Pelmeni mit saurer Sahne bestellen möchte. Am Ende kommunizieren wir mit ein paar Brocken Russisch, Händen und Füßen, und mit Fingern angedeuteten Zahlen, dass wir zu dritt an Bord sind, wo die Duschen sind, und der Aufenthalt im Hafen von Mõntu uns 25€ kosten wird. Darüber hinaus kann ich in Erfahrung bringen, dass das große Gebäude eine Fischfabrik ist „Zawod Ribi“, aber erst ab Oktober Saison dafür ist.

Mõntu ist unsere erste Station in Estland; ein kleiner Hafen am südlichen Zipfel von Saareema. Bei der Ansteuerung – es ist schon etwas später – spähen wir nach Masten anderer Schiffe; hoffentlich haben die für uns Platz. Die Sorge war unberechtigt. Wir sind der einzige Gast. Nach dem Anlegen suchen wir Dusche & WC, und ob es irgendwo Wasser gibt. Alles wirkt verlassen. Neben dem Hafen – so ist es öfters hier im Norden – ist ein Camping Platz, der noch großes vorhat. Auf einer Wiese wachsen massenweise Stromkabel aus dem Boden, um später für Wohnmobile 230V zur Verfügung zu stellen. An einem Haus ohne Beschriftung bellt uns ein Hund an, der eine Halskrause trägt. Der Hund freut sich nicht uns zu sehen. Ein älterer Mann mit Rauschebart und kurzer Hose tritt aus dem Haus, bringt den Hund ins Haus. Ich bleibe alleine 20m vor der Tür stehen. Offensichtlich bringt er den Hund in einem verwinkelten Haus weit weg, denn es dauert eine halbe Ewigkeit, bis er wiederkommt. Das obige Gespräch spielt sich ab.

Mõntu ist wirklich am Arsch der Welt, aber irgendwie lauschig. Es ist der südlichste Hafen Estlands auf unserer Route, und der Wind war tagsüber nicht so prickelnd – auf ca. der Hälfte der Strecke immerhin genug für das Leichtwindsegel. Das aufregendste war eine Funkunterhaltung zwischen der lettischen Küstenwache und einer Segelyacht „Anthos“, offensichtlich aus Deutschland. Nach einiger Verwirrung beantwortet eine Frau Routinefragen: „woher, wohin, wie viele Menschen and Bord, irgendwelche Tiere oder Gefahrgut?“ Offensichtlich ist die Küstenwache glücklich und lässt die Anthos weiterfahren. Sie kommt ca. 90 Minuten nach uns an, und wir klären die Ursache der Verwirrung. Der Skipper Willie ist des Englischen nicht so mächtig, und seine Frau Gudrun musste erst vom Klo geholt werden.

Im Vorratschrank der Seestern finden sich noch Nudeln und Pesto, und natürlich der Wein aus Lübeck. Typisch Estnisch, halt.

In der Nacht frischt der Wind ziemlich auf, und wir schaukeln an unserem Anlegeplatz. Am nächsten Morgen dann Aufkreuzen nach Kuressaare. Ich stehe die letzte halbe Stunde die ziemlich enge Einfahrt in den Hafen am Steuer, als das Gewitter auch über uns losbricht. Zur Regenjacke hat es noch gereicht, aber Hose und Schuhe sind total durchweicht, als wir endlich im Stadthafen anlegen. Dort wartet Frank auf uns, er hatte einen günstigen Flug nach Tallinn geschossen, und dann den Bus nach Kuressaare genommen. Abtrocknen, etwas aufwärmen, und wir machen uns auf den Weg durch das abendliche Arensburg zu einem Restaurant.

Eigentlich ist Frank schon am Vorabend angekommen, und hat ein Auto gemietet, um den größten Meteoritenkrater Estlands, ca. 20km außerhalb der Stadt anzusehen. Er muss es erst um 13:00 zurückgeben, und so besuchen auch Oli und ich noch den Krater. Na ja. Ein willkommener Farbtupfer ist die orange Katze, die durch die Sehenswürdigkeit streicht. Dann noch aufproviantieren, zügigen Schrittes durch Kurpark und Bischofsburg, kurz eine Chorprobe anhören, und um 14:00 sind wir abfahrbereit.

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