[Eigentlich hätte das einfach ein Artikel sein sollen. Aber es gibt so viel Fotos, das kann man auch aufteilen.]
Die Gaudí geht weiter. Für Montagvormittag habe ich die Attraktion von Barcelona gebucht, die Basílica i Temple Expiatori de la Sagrada Família. Eigentlich hatte ich sie von Málaga aus schon für den Tag zuvor gebucht, das war der einhellige Rat meiner Freunde. Ich wusste auch, dass die Preise dafür eher gesalzen sind, deshalb hat mich das Angebot im Internet von Feel the City für 81,90 nicht besonders schockiert. Meinen Chatpartner allerdings schon. Sie hat dann ein deutlich günstigeres Angebot auf der offiziellen offiziellen Website gefunden, für die Hälfte. Ich hatte das unter Lehrgeld gebucht. Als ich allerdings im Zug nach Barcelona war, rief mit eine Nummer auf WhatsApp an, angeblich aus Florida. Ich bin dran gegangen, eine Dame machte mich darauf aufmerksam, dass etwas mit der Buchung nicht geklappt hätte, ich sollte meine Mails lesen. Ah, stimmt, im Spam Ordner ist der Hinweis von Feel the City: Leider gibt es zu der von mir geplanten Zeit eine Veranstaltung, klicken sie hier um eine andere Zeit auszuwählen.
Ich habe dann auch die offizielle Website geklickt, mir noch ein Slot für Montag gesichert, und dann der ersten Seite bedauernd mitgeteilt, dass ich leider alle anderen Zeiten verplant hätte, soooo sorry. Bitte das Geld zurückerstatten. Der neue Slot ist allerdings nicht am späten Nachmittag, wie Mr. GPT es mir empfahl. Oh well. Dafür mit Turm und Tour mit echtem Führer.
Ich komme fast eineinhalb Stunden vor dem Termin meiner Tour an der U-Bahn Station an. Etwas Zeit für Einlass mit Security eingeplant, und davor noch eine Runde drum herum für ein paar Außenfotos. Eine halbe Stunde vor der Tour werde ich eingelassen, man kann auch ein Audioguide für’s Handy runterladen, bringt aber gegenüber der ‚live‘ Tour keinen Mehrwert (nachträgliche Erkenntnis). Meine Befürchtung, dass man hier in 90 Minuten (+ 30 für den Turm) durchgepeitscht wird, und danach gehen muss, bewahrheitet sich nicht. Die Time-Slots für Tour und Turm (das wäre jetzt auf französisch ein nettes Wortspiel) machen Sinn, aber sonst – take your time. Susanna scheint mehr für Ihre Begeisterung für die Kirche eingestellt worden zu sein als für akzentfreies Deutsch, aber wir sind nur vier in der Gruppe, und kommen damit zurecht, dass sie Engel konsequent als Angel ausspricht.









Auch dieses Sakralbauwerk ist beeindruckend. Es ist voller Symbolismus, da hat sich jemand recht damit verkünstelt. Beispiele: die 24 Säulen an der Passionsfassade entsprechen den 24 Rippen (nicht der Tage im Adventskalender?!?), es gibt 12 kleinere Türme wegen der 12 Apostel/Jünger, vier größere für die vier Evangelisten, und noch je einen für Maria und Jesus. Ich finde es unfair, dass Joseph immer zu kurz kommt. Ich hätte das ja nicht gemerkt, aber tatsächlich hat man drei der Aposteltürme klammheimlich weitergereicht, einen weil man ihn nicht Judas widmen wollte, und zwei, weil Matthäus und Johannes sowohl Apostel als auch Evangelisten sind. Die Geburtsfassade (von Gaudi selbst gestaltet) trägt lauter Symbole um die Geburt Jesu, die Passionsfassade widmet sich seinem Tod und ist mit wesentlich kantigeren Statuen ausgestattet, die die ganze Passionsgeschichte wiedergeben.












Die Säulen im Innenraum sind Bäumen nachempfunden, sie tragen das Gewölbe auf Ästen. Allgemein muss ich beim Lesen der Beschreibung wieder viel Geometrie auspacken. Es finden sich u.a. folgende Flächen in der Kirche:
kreisquerschnittigen Rotationshyperboloide, hyperbolischen Paraboloide, elliptische Hyperboloide, Überschneidungen zweier gegensinnig gedrehter Wendelflächen, Ellipsoide, Helikoide und elliptische Paraboloide. Was das alles ist, könnt Ihr in den Links von Wikipedia nachlesen, mich hat es jedenfalls beeindruckt. https://de.wikipedia.org/wiki/Sagrada_Fam%C3%ADlia











ChatGPT hatte sehr darauf gedrängt, so spät wie möglich in die Basilika zu gehen, und es mit den Lichteffekten begründet. Tatsächlich sind die Fenster auf der Ostseite eher im kühleren Bereich des Regenbogens gehalten, die auf der Westseite eher auf der warmen. Ich werde die Sagrada Familia drei Stunden vor Sonnenuntergang verlassen, aber schon da zeichnet sich im westlichen Kirchenschiff ab, dass das Licht durch die Fenster eher spektakulär daherkommt.






Für eine handvoll Dollar mehr habe ich noch die Turmbesichtigung mitgebucht. Es gibt einen Aufzug auf den Turm des Apostels Felip, von da aus wechselt man zum Turm des Apostels Tomàs, man geht ein paar Treppen nach unten, und kann dann auf die Brücke zwischen Tomàs und Bartlomeu. Man hat einen netten Blick auf ein paar Türmchen (zählen nicht zu den 18) mit deren Abschlüssen aus einem Gaudí Obstkorb, und geht dann eine Wendeltreppe mit offenem Treppenauge wieder nach unten. Ich bin nicht ganz schwindelfrei, habe mich tatsächlich ans Treppengeländer geklammert.















Der höchste Turm, Jesus gewidmet, ist in 2025 schon so weit fortgeschritten, dass er höher als der Ulmer Münster ist, 2026 soll er fertiggestellt werden, zum 100. Todesjahr von Gaudí. Die Schautafeln sind optimistisch, dass die Kirche in den nächsten 20 Jahren fertig gestellt wird. Immerhin gibt es seit 2019 (erst seit…!) eine Baugenehmigung für die Basilika.
Danach noch kurz ins Museum der Kirche (im Keller, nicht Krypta – dort wäre Gaudí beerdigt), und im Kreuzgang zur Sakristei. Nach drei Stunden bin ich durch. An der Südseite der Kirche sehe ich die Häuser einiger Nicht-Fans der Kirche. Gaudí hat eine imposante Treppe zum späteren Hauptportal der Kirche geplant, just dort wo die besagten Häuser stehen. Mal sehen, wie das in 20 Jahren aussieht.





Ich fahre mit der Metro (72-Stunden Ticket) zum Markt La Boqueria, esse ein paar Happen auf die Hand, und fahre dann etwas nach Norden; mich hat das Gaudí-Fieber angesteckt, und ich sehe mir noch zwei seiner Häuser an. La Pedrera / Casa Milà nur von außen, und die Casa Batlló auch von innen. Der Eintrittspreis ist nicht von schlechten Eltern, im inneren lasse ich mich noch zum Upsell zur Besichtigung einer Musterwohnung breitschlagen. Ich bin begeistert. Bin ich nun Fan von Gaudí oder vom Jugendstil – da bin ich nicht ganz sicher. Aber genial war er wohl schon, der Antoni. Anekdotisch ist überliefert, dass der Direktor des Architektur-Instituts Elies Rogent zweifelte: „Qui sap si hem donat el diploma a un boig o a un geni: el temps ens ho dirà.“ Übersetzt: „Wer weiß, ob wir das Diplom einem Verrückten oder einem Genie gegeben haben – die Zeit wird es uns sagen.“ Ich plädiere für letzteres.


























Danach laufe ich trotzt 72-Stunden Ticket zum Hotel zurück, gehe etwas später in eine Tapas-Bar zum Essen. Eigentlich bin ich satt, aber da das vorerst mein letzter Tag in Spanien ist, bestelle ich einfach nochmal einen Teller Jamon Iberico.


