As time goes by

Ilsa: “ Play it, Sam, play ‚As Time Goes By‘

🎶 You must remember this
A kiss is still a kiss
A sigh is just a sigh
The fundamental things apply
As time goes by  🎶

Ahhh, Casablanca. Immer wenn ich den Namen höre, schaltet mein Hirn auf schwarz-weiß Film, und Humphrey Bogart küsst Ingrid Bergmann. Dass Casablanca eine echte Stadt in Marokko ist, das muss ich mir öfters in Erinnerung rufen. Ist ja auch nicht naheliegend. Bei Namen wie Marrakech, Ouarzzate oder Khouribga merkt man ja sofort, dass das nicht in Niederbayern ist, aber Casablanca? Anyway, als es klar wurde, dass wir nach Marokko fahren, wollte ich auf alles Fälle nach Casablanca, hatte ich doch in Erfahrung gebracht, dass es dort wirklich ein „Rick’s Café“ gibt. Mir war klar, dass das eine ganz billige Masche war, die Sentimentalität von Touristen auszunutzen, schlimmster Nepp. Egal. Ich formulierte es wie folgt: „Ich möchte persönlich enttäuscht werden“. Ich würde das machen, auch wenn alleine. Aber Frank meinte dann, ach warum nicht, und ich machte eine Reservierung für den Abend des fünften, der letzte Abend in Marokko für Frank. Ging per email, wir haben den Slot von 21:00 bis spät gewählt, wir wussten ja nicht genau wann wir ankommen. Letzten Endes sind wir schon um 20:30 dort, das Café sieht von außen anders aus als im Film , aber ein Drink an der Bar vorher wird ja gehen. Freundlich aber bestimmt werden wir abgewiesen. Wir schlagen im Einkaufszentrum gegenüber 25 Minuten tot. Um neun werden wir eingelassen und zu unserem Tisch geführt. Sie haben die Filmkulisse nicht nachgebaut, aber das Ambiente passt. In der Mitte eines Typ-Riad-Hauses steht ein Flügel, ein Kontrabass und ein Schlagzeug. Die Kellner tragen einen Fes und Krawatte, auch die wirken stimmig. Auf der Karte gibt es – pfui für Marokko – Alkohol. Die Preise sind europäisch, aber wir beschließen heute nicht zu sparen. Je ein Cocktail, Vorspeise, das große Rib-Eye Steak für zwei, eine Flasche marokkanischer (!) Wein, und – na gut – auch eine Flasche Wasser.

Das Personal ist umsichtig und serviert alles stilvoll. Die Band fängt an zu spielen, das zweite Lied ist tatsächlich „As time goes by“. Sie spielen auch „Oye como va“ von Santana, ein paar Lieder aus Buena Vista Social Club und etwas was ich Jazz nennen würde, die Band aber später auf Nachfrage als ‚Latin Classics‘ benennt.

Das Essen ist OK. Frank meint, dass ich Rib-Eye besser hinbekomme, aber vom Preis-Leistungsverhältnis ist es dennoch voll in Ordnung. Überraschend gut ist der Wein – ein 2022 Epicuria Cabernet Sauvignon. Am Nebentisch tafeln wohl ein paar Sportfunktionäre, trinken aber auch Wein.

Ich gehe nochmal durch das ganze Lokal – im 1. Stock steht tatsächlich ein Faksimile eines Roulettetischs, mit Glas abgedeckt, dass man ihn als Esstisch nutzen kann, daneben läuft ein Film in Dauerschleife. Es wird Euch nicht überraschen, dass es ‚Casablanca‘ ist. Offensichtlich darf oben geraucht werden, und der kalte Zigarrenrauch in der Luft passt auch zur Atmosphäre. Nach dem Essen – die Band spielt noch – bestellen wir noch je einen Martini. Das letzte Lied des Abends ist das, mit dem dieser Beitrag anfängt.

Als Fazit sind wir uns einig: „Schlimmster Touristennepp erwartet, stilvolles Ambiente mit liebevollen Details und vernünftiger Küche gefunden.“ Ein stilvoller Abschluss, heute ist Franks letzter Abend. Wie im Film hat er für morgen einen der begehrten Passierscheinen für einen Flug nach Lissabon erhalten. Here’s looking at you, kid.

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