F*!#In‘ up & Folge dem Regenschirm nach Hiroshima

Durch das Klingeln des (Hotel-)Telefons werde ich aus dem Schlaf gerissen. WTF? Wer hat meine Nummer? Beim Aufstehen streift mein Blick die Uhrzeit an meinem Handy. 11:13. Ich ahne etwas. Die Uhrzeit bedeutet zwei Sachen: Ich habe das erste Mal auf der Reise von 02:00 wirklich gut durchgeschlafen, UND ich habe nicht nur das Frühstück, sondern auch die Check-out Zeit um 13 Minuten verschlafen. Nach kurzer Verhandlung einigen wir uns auf 1.000 Yen, dass ich bis 12:00 bleiben darf (6€). Ich habe aber wirklich gut geschlafen, das war’s wert. Als ich danach mein Handy ansehe, fallen mir auch verzweifelte Nachrichten der Tour-Guide aus Hiroshima auf: „Where are you? We must leave in 2 minutes“. Das habe ich also auch verkackt. Falsches Datum für die Tour gebucht. Gut, dass ich den Zug noch nicht gebucht hatte, den hätte ich wahrscheinlich auch verschlafen. 42 Minuten später checke ich aus, lasse meinen Koffer noch kurz da, um im Markt nebenan etwas zu Essen zu erlegen. Leider hat der Markt heute Urlaub/Ruhetag – es hat nur wenig offen. Ich finde trotzdem etwas Sushi, und dann geht’s auf zum Bahnhof. Insgesamt bin ich vier Stunden unterwegs, die Fahrt geht wieder über Osaka. Im Zug beginne ich übrigens, den Blog wieder zu schreiben.

In Hiroshima bin ich im Oriental Hotel untergebracht – ein 20 Stockwerk hoher Klotz der seine besten Zeiten gesehen hat. Und die Erkenntnis: In Japan gibt es noch Raucherzimmer, und ich habe wohl eines erwischt. Leider ausgebucht, kein anderes Zimmer, aber sie stellen einen ‚Deodorant‘ in das Zimmer, scheinbar eine Ozon(?) Maschine. Als ich nach einer Stunde vom Abendessen wieder komme, riecht das Zimmer auch frischer, nach Großwäscherei.

Die am Vortag verpasste Tour habe ich wieder gebucht, diesmal bin ich pünktlich am Treffpunkt am Bahnhof. Meine Mitreisende sind Japaner. Hmmm. Mal hoffen, dass ich da noch genug mitbekomme. Ich hätte mich nicht sorgen müssen, Laurie (Mutter), Kendrick (Vater), Kevin (Sohn) und Julie (Freundin (vom Sohn)) können nicht viel mehr Japanisch als ich, sind 3. und 4. Generation US-Amerikaner. Hana, unser Guide nimmt uns in einen Vorort-Zug mit zum Hafen vor Miyajima, von dort aus mit der Fähre auf die Insel. Im Gegenzug zu Emi in Kanazawa zieht Hana das Programm mit erhobenem Regenschirm durch. Schnell noch ein Foto? Das muss man mit der Gruppe hinterherjoggen büßen.

Details zu dem Tourismus Hotspot könnt Ihr hier lesen: https://de.wikipedia.org/wiki/Miyajima , mein Eindruck: touristisch wirklich wertvoll, entsprechender Andrang; man ist nicht allein. Die wilden Rehe sind nicht so wirklich ‚wild‘, außer sie zupfen japanische Mädchen am T-Shirt, weil diese erst mit ihrem Eis gelockt haben, aber dann doch einen Rückzieher machen. Meine Vorschläge für Rehbraten werden freundlich ignoriert.

Danach geht es mit der Straßenbahn zurück in die Stadt, zum „A-bomb dome“ und dem peace memorial mit Museum. Klar, daran denkt man als erstes, wenn Hiroshima hört. Vor dem 6. August war die bekannte Ruine die Hiroshima Prefectural Industrial Promotion Hall, um 8:15 an diesem Tag war es 600 Meter unter und 260 Meter neben dem Explosionspunkt, heute ist es das dramatischste Symbol für den ersten kriegerischen Einsatz einer Kernwaffe, mit ca. 140.000 Todesopfern.

Das ganze Museum ist ein beeindruckendes Mahnmal, auch wenn mir dabei ein wenig zu kurz kommt, dass Krieg allgemein das wirklich furchtbare ist, und es den anderen Toten des Krieges reichlich wurscht sein dürfte, dass sie ’nur‘ konventionell gestorben sind.

Am Abend entdecke ich dann direkt hinter dem Hotel einen sehr leckeren Yakitori-Schuppen, aber das Essen hier bekommt einen eigenen Eintrag.

Am nächsten Tag sehe ich mir in Hiroshima noch das ‚Hiroshima Castle‘ an, welches nur noch ein Schatten seiner selbst ist. In einer Ecke hat man einen Turm wieder aufgebaut, aber ansonsten viele Hinweisschilder wie „Fundament des Hauptquartiers der 5. Armee-Division“ oder „Ruine des Luftabwehrkommandos“. Danach noch der Shukkei-en, ein sehr schöner japanischer Garten.

Shukkei-en

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