Über Barcelona sind mir aus den Erzählungen von Freunden mehrere Geschichten über Taschendiebe, Versuche Handtaschen zu entreißen und ähnliches in Erinnerung. Ich bereite mich vor. An Wertsachen habe ich nur mein Schlautelefon dabei, ich vertraue mal darauf, dass die mittlerweile so personalisiert, zugeknöpft und leicht zu orten sind, dass sie keine beliebte Beute mehr sind. Geldbeutel und Pass lasse ich im Hotel, in der zugeknöpften Hemdtasche habe ich €30 und mein Personalausweis. Auf zum Tourismus!
Irgendwann frisst’s uns.
Das wusste vor zwanzig Jahren schon mein Kollege Hans. Langsam sind wir dort angekommen. Ich stehe vor dem Park Güell in Barcelona, ChatGPT hat mir erzählt, dass ich das unbedingt ansehen muss. Karten gibt es nur online. Es stehen mehrere Grüppchen vor dem Tor, mit unterschiedlichen Stadien der Verzweiflung auf ihren Gesichtern. Der QR-Code mit dem sprachgerechten Kartenverkauf liefert nur ein ‚Server antwortet nicht‘. Daran scheitere ich nicht; ich Google die offizielle Website und trage brav Namen und Schuhgröße ein. Aber die Website will zur Zahlung der 18€ Kreditkarteninformationen. Kein Apfel-zahl, kein Bezahlkumpel; please enter your credit card number. Tja, die steht auf der Karte. Im Geldbeutel. Im Hotel. Und nun? Ich spreche einige der Gruppen an, biete €20 in bar, wenn sie für mich eine Karte mitbestellen. Viele scheitern beharrlich an dem ‚Server not available‘, und misstrauen mir, als ich helfen will. Andere verneinen Englisch zu können. Für Kartenverkäufer langt es nicht, aber es stehen drei Mitarbeiter in einer Absperrung vor dem Bereich, wo der Kartenverkauf mal war. Ich schildere mein Problem. Einer versteht, verspricht mir helfen zu wollen, und redet ein wenig in sein Walkie-Talkie. Er verschwindet, und ich stelle mich schon darauf ein nochmal 90 Minuten ins Hotel und zurück zu fahren. Kurz bevor ich aufbreche, holt er mich hinter die Absperrung und führt mich zu einem Kartenschalter, wo eine junge Dame sitzt. Gelangweilt verkauft sie mir für 18€ eine Papierkarte mit QR Code, Personalisierung nicht notwendig. So trete ich in den Park Güell ein, und muss an die Prophezeiung meines Kollegen Hans denken.
Der Park Güell
ist eigentlich eine Investitionsruine, zum eigentlichen Zweck nie fertiggestellt. Das ist keine Schande, auch Schloss Neuschwanenstein wurde nicht fertiggebaut und ist heute auch Weltkulturerbe. Es sollte eigentlich eine Wohnsiedlung werden, nur zwei Häuser wurden gebaut*. Meine Theorie: der Bauträger ging angesichts von Schadensersatzforderungen in Konkurs, als sich die Leute beim Neubau über kaputte Fliesen und krumme Wände beschwerten. https://de.wikipedia.org/wiki/Park_G%C3%BCell
Aber dafür ist Antoni Gaudí bekannt; er war ein Lineal-Legastheniker der seine Schwäche, gerade Linien zu zeichnen, damit verbarg, dass er seine Werke als ‚an die Natur angelehnt‘ erklärte. So ist alles etwas rund, die griechischen Säulen stehen schief, weil das auch manche Bäume tun. Immerhin sehr nachhaltig, sehr viel ist mit Fliesenbruch gefliest. Vom Park aus hat man mit tausenden anderen Touristen einen schönen Blick auf Barcelona.

































Nach dem Park ein leckeres Mittagsessen im angrenzenden Viertel Gràcia, und mit dem Bus an die Barceloneta – der Strand von Barcelona, mit einem kurzen Abstecher zum Arc de Triomf (sic). Bei der Busfahrt fällt mir am Hafen ein großer Eisenfachwerkturm auf. Es ist der Anfang des Teleferico, eine Seilbahn über den Hafen zum Montjuïc, ein Aussichtsberg, den mir mein Freund Chat auf empfohlen hat. So komme ich rechtzeitig zum Sonnenuntergang an der Aussichtsplatform an, und dann zurück ins Hotel.
















Einschub: Katalonisch
Die Sprache macht mich fertig. Sie liest sich so, als hätte ein Legastheniker, der Spanisch, Französisch und Portugiesisch sprechen konnte beschlossen – da passt noch was dazwischen. „Arc de Triomf“ ist kein Tippfehler, es ist Katalan. „Bitte“ ist „Si us plau“, was nur nach einer schriftlichen Vereinfachung von „S’il vous plaît“ aussieht. Ich bin mir hier nicht sicher, ob ich lieber Spanisch üben soll (vielleicht ist das politisch inkorrekt), oder doch lieber gleich auf Englisch anfange.