Russland Frust

Was aus dem Archiv – von 2003 an war ich recht häufig in Russland. Hat mir nicht so gefallen. Teilweise fühlte ich mich etwas … alleine. Damals gab es noch keine Blogs, aber einen gewissen Mitteilungsbedarf hatte ich dennoch. Also schrieb ich e-mails, an einen großen Verteilerkreis, und hoffte dass jemand zurückschreibt. Diese Mails habe ich jetzt ausgebuddelt, und teile sie mit Euch. Ich habe außer hanebüchenen Rechtschreibfehlern nichts verändert – wegen der Authentizität, nicht weil ich zu faul bin!

 

So, da bin ich wieder. Wieder im wunderschönen Smolensk. Wieder bei den Leuten, die so schnell kapieren, was man will; die, die überhaupt kapieren was man hier will. Ich hab’ heute mal wieder so viel Zeit verplempern dürfen, um lauter Sachen, die in Deutschland so selbstverständlich sind, stundenlang zu erklären.

„Ich will im Pastenbereich eine Spüle, zum Abwaschen von irgendwelchen Instrumenten. So ähnlich wie eine Küchenspüle, aber wenn’s geht ein wenig größer – das werdet ihr in Smolensk ja hinbekommen, so was zu bestellen, ohne dass ich mich weiter drum kümmern muss“

Kein Problem, da fragen wir den Einkäufer.

Der Einkäufer kommt.

Ja, aber wie groß soll das Spülbecken denn sein?

„Hm, meinetwegen 80x80x40 cm.“

Hm, dass ist aber schon groß.

„Ja, kein Riesenproblem, halt irgendeine Standardgröße, eigentlich egal.“

Ach so, kein Problem – wo bekomm’ ich denn so was?

„Schaut doch mal, ob der Lieferant von Laborzubehör ein Spülbecken hat, notfalls halt in einem Möbelhaus“

Ach so, ja – aber wie groß soll’s denn sein?

Die Geschichte ließe sich jetzt mit Copy-and-Paste problemlos auf Originallänge ausdehnen, dann noch etwas Zeit dazu denken, welche die Dolmetscherin braucht um diese Unterhaltung in beide Richtungen zu übersetzen; dann noch ähnlich wichtige Sachen diskutieren, und schwupps – der Tag ist vorbei.

Hoffentlich hat der Einkäufer jemanden der für ihn Lebensmittel einkauft, sonst würde der kläglich verhungern.

Ich weiß, Alkohol hilft auch nicht, aber die Flasche Wein, die ich mit dem technischen Direktor am Abend ausgetrunken hab’ war irgendwie angebracht.

 

Fahrt gestern hierher. Ich sitze in einem Minibus, der einen gewissen Teil seiner Abgase wohl direkt zum Filtern in den Passagierraum gibt, es stinkt ausserdem nach dem Benzinkanister vor der Bank. (Der Kanister befüllt auf halber Strecke den Minibus, wahrscheinlich spart sich der Fahrer so die Abrechnung von irgendwelchen Tankstellen-Belegen). Der Minibus hat keine Sicherheitsgurte, aber kein Problem, der Fahrer fährt heute ja erst seit neun Stunden; der ist Top-Fit. Auf der Strecke kommt man an zwei Unfällen vorbei, ein Minibus liegt auf dem Dach im Graben, danach hat sich ein Audi 80 über ca. 60 Meter Strasse verteilt. Klar, das haben bestimmt alle überlebt. Ich dachte immer, russisches Roulette spielt man mit einem Revolver, aber es geht auch anders. Mir ging’s auf der Fahrt immer übler, ob’s nur an den Abgasen lag….

Witzig war immerhin der Flug. Aeroflot. Das Flugzeug vertrauenserweckend neu (Dieses ohne Ironie), das Essen nicht erheblich beschissener als man es von anderen Gesellschaften gewohnt ist. Recyceltes Huhn und Gummibrötchen. Neben mir ein Russenpärchen mit einer halben Flasche Cognac, auf der Rückreise von Jamaica. Da kommt die wirkliche russische Gastfreundschaft ins Spiel, die müssen wir mit unserem Sitznachbar teilen. Können kaum ein Wort Deutsch oder Englisch die beiden, dafür fließend Russisch. Haben wahrscheinlich auf dem vorherigen Flug die erste Hälfte der Cognacflasche geleert. Könnte das ständige Kichern erklären.

 

Morgen darf ich diskutieren, ob wir in dem Raum warmes Wasser brauchen, und – wenn ja – wie es dorthin kommt. Ich bin sooooo froh, dass ich ein ’Spezialist’ bin, da kann ich auch über so was mitreden. Vielleicht schneide ich am Mittwoch das knifflige Thema an, welche Farbe die Wand haben soll. (Eigentlich gar nicht so trivial – jeder, aber auch wirklich JEDER kann mitreden.) Leider ist der Generaldirektor nicht da, deshalb wäre eine endgültige Entscheidung schwierig.

 

Die Erinnerung an den Cocktail-Abend ist noch frisch. Wiederholung sehr erwünscht. Dürfte ich schon jetzt eine Bestellung abgeben – bitte drei Zombies als Vorspeise.

 

Chris ;-(

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