Mallorca?

Heute fahren wir nach Mallorca. Wecker um kurz vor acht gestellt. Plan: duschen, schnell Supermarkt, Mietwagen zurückgeben, ablegen, GO! Wecker um kurz vor acht. Es hätte ihn nicht gebraucht. Der Regen auf meiner Luke hätte mich auch so geweckt. Och neee. Ich prüfe unsere Planungswerkzeuge: Windfinder meint, dass wir so ca. 23 Knoten Wind hätten (und das hat in der Realität schon immer Böen bis 35 Knoten bedeutet), zwar nicht direkt von vorne, aber doch mehr aus Westen als gut ist. „Windy“ (von den gleichlautenden Apps die mit dem roten Hintergrund) hat auch eine Wellenvorhersage: 2 Meter oder mehr, eher direkt von vorne. Also fast schon zuviel Wind mit ordentlich Welle, und dabei noch im Regen stehen? Wir sind hart, aber keine Masochisten. Dennoch will ich den Plan nicht vor der Tatsache torpedieren, deshalb gehe ich auch Duschen; Frank ist vor mir gegangen. Wir überlegen – porque suffrir? Die Hektik verschwindet. Heute fahren wir nicht nach Mallorca.

Deshalb heute auch keine zusammenhängende Geschichte – ein paar Schnipsel von Gedanken die ihren Weg nicht in die vorherigen Beiträge gefunden haben. Keine besondere Reihenfolge, übrigens.

Der Hafen von Mahon ist eigentlich ein langer Fjord, mit langer Küstenlinie. Jetzt in der Nebensaison sind die ganzen Entlastungsmaßnahmen (Anlege-Pontons in der Mitte des Hafens) nicht notwendig, wir liegen also an einem Stück Hafenmauer, welches aktuell an den Club Maritimo de Mahon verpachtet ist. Wir liegen also direkt an der Hafenpromenade, und erkennen, dass es in Mahon lauter Perverse gibt. Ständig joggen irgendwelche Sportbegeisterten vorbei – manche als ob sie auf der Flucht vor den ganzen Kriminellen wären (Ihr erinnert Euch, durch die Ausgangssperre hat’s hier jetzt recht viele)

Ich konnte ja mal ganz gut Spanisch. Von meinem fünften Lebensjahr bis zum neunten habe ich hier gewohnt, sprach Spanisch wie ein Fisch im Wasser (Passt die Metapher?!?). Da ist noch viel im Hirn verbuddelt, wird dann plötzlich wieder aktiviert. Ich erkläre der Bedienung, dass wir ein Problem haben. Sie: „Di me“ – stimmt, das war ‚Sag mir‘. Das Problem – ein leeres Glas Wein – bekommen wir dann auch gelöst. Einfach so beim Zuhören werden wieder Floskeln aktiviert – als wäre es gestern. Aber dann trete ich an den Tresen der Marina Rezeption – 90% des Satzes liegen schon in Spanisch auf der Zunge – aber was war jetzt der Begriff für ‚Liegeplatz‘? Frustriert gebe ich ein „Hablan usted Ingles?“ von mir, und ja – sie spricht auch Englisch. Versaut sind auch Frank und ich von unseren letzten Wochen in Italien. Wir watschen uns selber, wenn wir nach erfolgter Kaffeelieferung mit ‚Grazie mille‘ antworten, oder due Capucchini bestellen.

Auf der anderen Seite der Hafenpromenade ist das Restaurant Wepi – New Age bis Thai Cooking. Geht doch gar nicht, hier im Heimatland der Tapas. Immerhin, sie bieten auch Kaffee mit Croissants zum Frühstück, aber sonst? Gestern Abend sind wir auf ein paar Drinks reingegangen – wir wollten die menorquinische Spezialität „Pomada“ probieren – Gin mit Zitronenlimonade; nicht überzeugend. Danach wollten wir wieder zum Alchemisten, der hatte zu; gut: dann zu einer anderen Kneipe. Auch dort ist die „Pomada“ nicht überzeugend. Dabei laufen wir mehrmals an dem Laden vorbei – unsere 12 € für die Pomadas waren fast deren gesamter Umsatz. Am Ende gehen wir Indisch essen. Damit ist der Bann gebrochen – heute Abend haben wir uns von der Happy Hour ab 18:00 locken lassen, und sind dann bis 22:00 hocken geblieben.
Was aber eigentlich der Punkt ist: wie prekär hier die Lage für manchen Wirte ist. Vorgestern waren wir in einer Tapas-Bar, die am Tag davor halbwegs gefüllt war. Wir waren die einzigen Gäste. Die Tapas waren etwas verkünstelt – der Alchemist konnte es besser – am Ende lassen wir 43 Euro liegen. Aber während wir da saßen, kamen zwei Jungs rein – einer mit Skateboard, der andern mit einem Roller, und es wurde klar dass das hier eine Familie ist – Papa in der Küche, Mutter bedient, mindestens zwei Kinder – ich hoffe nur, dass die sich in den vergangenen Jahren etwas Vor-Corona-Polster anfressen konnten. Mei, aber Frank und ich können uns auch nicht so viel Speck anfressen, um die ganzen Kneipen hier zu retten.  

Spanien, oder zumindest Menorca, scheint musikalisch irgendwie etwas zurückgeblieben – in den meisten Kneipen läuft Musik die ich kenne und gut finde, der eingestellte Radiosender spielt genau meine Musik – wie Scheiße muss das für junge Leute sein?

Wir haben heute im Supermarkt – nach intensiver Beratung – ein Stück Jamon Iberico gekauft. Scheiße, ist der genial. Schon zum dritten Mal haben wir ein paar fein gemaserten Scheiben runtergesäbelt, noch etwas sardischer Rotwein dazu – Life is good.

Wie geht’s der Seestern eigentlich so? So ein Schiff, das ist schon ein komplexes Gebilde. Selbst bei neuen Charter-Yachten gab es immer etwas zu optimieren/reparieren, bei unserer 32 Jahre alten Dame erkennen wir den Wahrheitsgehalt des Spruchs: „Eine lange Segelreise, das ist das Reparieren seines Schiffes an den schönsten Orten der Welt“. Wenn ich nur mit Frank unterwegs bin, merkt man es nicht so sehr, aber als Tatjana hier war, musste man die täglichen Mucken der Technik erklären. Unsere aktuell wichtigsten Probleme: Der Navigationsplotter im Cockpit hat offensichtlich etwas unter dem Regen gelitten. Frank hat ihn mittlerweile in über fünfzig Teile zerlegt, an ein paar Stellen Korrosionsschäden durch Wassereintritt mit WD-40 bekämpft, mal sehen wie lange es hält. Vor ein paar Tagen klemmte der Schalter ‚Anker aufholen‘, als wir beim Anlegen aus Versehen drauf getreten sind. Kabel-Röst-Aromen waren die Konsequenz; das müssen wir auch reparieren. Immerhin – wie für vieles gibt es hierbei ein Back-Up System im Cockpit – es wird etwas komplizierter, aber Anker lichten wird auch die nächsten Male funktionieren.

Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

1 Antwort zu Mallorca?

  1. Andrea sagt:

    Soso, ihr Schönwetter-Segler. Das klingt ja fast nach Kreuzfahrt, es geht nur um’s Essen… Was ein Glück, dass mich das besonders interessiert! Der Jamon schaut ja hammermäßig lecker aus! Und so schön dünn gesäbelt! Könnt ihr mir davon nicht ein paar Scheiben in einen Briefumschlag stecken!?!?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.