Letzter Tag, Diverse Beobachtungen und Fazit Myanmar

Heute ist mein letzter Abend in Myanmar. Heute morgen noch den Sonnenaufgang am Kyaiktiyo Felsen erlebt (ich erwarte Lob, sooo früh freiwillig aufgestanden), mit burmesischen Familien fotografieren lassen, einem Chor von ca. 7-jährigen Nonnen bei rituellen Gesängen gelauscht, und natürlich den Verlauf der aufgehenden Sonne auf dem goldenen Felsen festgehalten. Ich habe mich entschlossen, wieder mit dem Zug zurückzufahren. Doch beim Check-Out steht Genevieve neben mir, aus Kanada. Im Achterbahn-Laster nach unten unterhalten wir uns nett, treffen noch Beatrice und Christian aus Germany. Unten im Dorf angekommen wirklich irrationales Chaos: Für den Zugang zur LKW-Ladefläche gibt es Steigleitern. Als wir ankommen, sind die völlig vollgestellt mit wartenden Passagieren für die Fahrt nach oben. Obwohl die Ladefläche mit 42 Leuten gesteckt voll ist (auch hier offenbart sich der Hintergrund dieses Ausdrucks), versuchen die Leute sofort einzusteigen. Temporär zu zweit haben wir einen Vorteil: Genevieve klettert ohne Gepäck vom Lastwagen, nimmt unser beider Rucksäcke, und ich drängle mich dann auch runter. Es stellt sicher heraus, das meine Mitreisenden alle mit dem Bus um 11:30 zurückfahren. Konsequenz ist Glückssache, und so mache ich den Fehler, auch im Bus mitzufahren. Ich will nix sagen – recht luxuriös, klimatisiert, weiche Sitze – aber da die Sitzplätze einzeln gebucht werden sitze ich irgendwo neben einem Local und werde von burmesischer Karaokemusik beschallt. Prompt ratze ich weg. Der Zug wäre nochmal ein Erlebnis gewesen. Wobei – es hätte die Einmaligkeit der anderen Fahrt geschmälert, wer weiß ob ich einen guten Platz bekommen hätte… Scheißausreden – ich hätte es machen sollen. Bei Ankunft irgendwo in Yangon finden sich neben Genevieve noch zwei Thailänder, mit denen wir uns ein Taxi in die Stadt teilen. Wieder zu meinem Koffer ins Hotel, und jetzt sitze ich wieder in meiner Stammkneipe beim Bier und tippe. Ein paar Tische weiter hockt Tobias Esche (Reiseführerautor, Buch kommt demnächst raus, info@netzwerk-myanmar.de), den ich hier beim letzten Mal kennenlernte, mit dem trinke ich noch ein Bier wenn ich hier fertig bin. Morgen um 10:30 geht’s weiter in Richtung Laos.

Noch kurz ein paar allgemeine Beobachtungen. Die hatte ich mir notiert, aber sie haben bislang nicht in den Fließtext gepasst:

Sicherheit in Myanmar – Ich habe mich hier sehr sicher gefühlt. Auch Burma-Erfahrene bestätigen mir, dass man hier vor Diebstahl eigentlich keine Angst haben muss. Dennoch sind Gitter ein sehr präsenter Teil des Stadtbildes: Häuser und Wohnungen werden mit Scherengittertüren und fetten Vorhängeschlössern gesichert, fast alle Balkons und Fenster sind vergittert. An Hotels, großen Pagoden und natürlich Flughäfen stehen Metalldetektoren, Gepäck wird auch beim Eingang ins Hotel rigoros untersucht. Rigoros hier=gelangweilter Blick ins oberste Fach. Durch die Detektoren läuft man in voller Montur, Kamera, Iphone, Geldbeutel – natürlich piepst’s. Aber das erntet ein freundliches Lächeln vom Wachmann, Weiße sind doch keine Gefahr.

Straßenverkehr – Es stellt sich heraus, dass die meisten rechtsgelenkten Autos aus Japan kommen. Man erkennt es an den japanischen Schriftzeichen an allen möglichen Aufklebern, an den japanischen Hinweisen auf dem Display des Navis, usw. Ein paar Mal achte ich darauf, komme auf ca. 10% Linkslenker im Verkehr. Yan meinte, es gibt noch keine Versicherungen hier, deswegen achten die Fahrer peinlichst genau aufeinander. Man sieht auch keine verbeulten Autos. Es wirkt zwar wie absolutes Chaos, aber alle fahren irgendwie sehr rücksichtsvoll. Irgendwie. Es wird ständig gehupt, überholt, Autos verdrängen Busse, Busse verdrängen LKW, LKW verdrängen Mopeds, Mopeds verdrängen Fahrräder, Fahrräder verdrängen Fußgänger. Aber alles ohne deutsche ‚Ich-habe-aber-Vorfahrt-Mentalität‘, es scheint erstaunlich wenig zu passieren. Nett ist auch die Einrichtung des Busfahrer-Gehilfen. Der sitzt während der Fahrt auf der Einstiegstreppe, ruft wohl „Links ist frei!“ bei Rechtslenkerbussen, und steigt bei kritischeren Situationen (wie Rückwärtsfahren) aus und kümmert sich. Außerdem stellt er uns den Tritthocker für die erste Stufe hin und verteilt kostenloses Trinkwasser in Flaschen.

Moderne Kommunikation – Für alle anderen Ländern auf meiner Reise wurde es mir anders prophezeit, aber hier ist noch Nachholbedarf in Sachen Kommunikationstechnik. Roaming: Fehlanzeige, mein Telefon meldet sich an keinem Netz an. Somit auch keine SMS. Lokale SIM-Karte: 200 USD auf dem Schwarzmarkt. WiFi: wird häufig angeboten. Leider ist die Verbindung vom WLAN zum Internet wohl noch auf Modembasis. Man kann sogar Text-emails beim Laden zuschauen, ein Anhang blockiert den E-Mail Client für eine halbe Stunde. Das verwirrt die Hälfte der Gruppe bis zum Ende „aber ich habe doch fünf Balken beim WLAN-Empfang?!“. Die meisten WLANs sind ungesichert ausgeführt, und verlangen beim ersten Zugriff auf’s Netz im Browser Username und Password. Das funktioniert häufig ganz gut, aber nicht immer lässt sich ein Gerät dazu bringen, die Seite aufzurufen, und dann ist Stille. Natürlich müssen die Geräte ständig wieder neu angemeldet werden. Und ich habe theoretisch fünf Geräte, die alle ans WLAN könnten. So werden ein paar kurze E-Mails zur abendfüllenden Affäre. Inzwischen bereue ich auch meine Entscheidung, nur ein altes Netbook mitzunehmen. Ständig fehlt auf der Festplatte Speicherplatz, und die Tastatur ist für meine Wurstfinger nicht wirklich geeignet. Die Umschalttaste und die ‚Nach-Oben-Taste‘ liegen so nah beieinander, dass ich gerne beide treffe. Somit markiere ich ab dem Cursor die Zeile bis direkt darüber und ersetze sie mit dem eben gewünschten Großbuchstaben. Man möge mir deshalb Tippfehler verzeihen. Natürlich ist es auch nicht besonders performant, schleicht somit teilweise mit dem Internet um die Wette.

Tagesrhythmus – eigentlich kein Land für mich. Myanmar ist nicht nur eine cash-only economy, es hat auch weitestgehend einen daylight-centric-lifecycle. Wenn ich um 4:30 morgens aufstehe, erwarte ich in München, dass zu der Zeit nur die letzten Nachtschwärmer unterwegs sind. Hier ist volles Programm. Spätestens um 6:00 tobt das Leben. Dafür ist abends um 22:00 Schicht im Schacht. Ich habe jetzt keine intensiven Versuche gemacht, das Nachtleben zu erkunden, aber in den meisten Führern liest es sich so, dass ich auch keines finden würde. Meine Stammkneipe in Yangon macht beispielsweise um 22:00 zu, obwohl sie wird fast nur von Ex-Pats frequentiert wird. Vielleicht im Land noch historisch bedingt durch Strom- und damit Lichtmangel.

Mein Fazit zu Myanmar – das geilste Land seit langem. Sehr intensiv besichtigt, viel gesehen – die nächsten Länder werde ich ruhiger angehen. Vieles hier erinnert mich an meine Reisen durch China vor 20-15 Jahren, aber wer das nicht erlebt hat, wird hier total fasziniert sein. Die Leute superfreundlich, aber die Preise erschrecken die Traveller die ich bislang traf. Offensichtlich kann man in Laos für 10 Dollar am Tag entspannt leben, hier klappt das nicht annähernd. Dennoch: fünf von fünf Sterne – try it!

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