„In Limbo“

Als wir im November nach München zurückflogen, war einer der Gründe, dass es in Ibiza mittlerweile für unsere Reise etwas perspektivlos aussah, und Perspektivlosigkeit wäre vielleicht in München besser zu ertragen. Das hat sich wohl auch bewahrheitet – in zweierlei Hinsicht: tatsächlich lässt sich die Perspektivlosigkeit in der eigenen Wohnung besser ertragen; aber perspektivlos ist es auch geblieben. Wir hatten ja gehofft, dass sich zum Weihnachtsfest und erstmal danach die verschiedenen Einschränkungen lockern würden, weil bis dahin die diversen Maßnahmen die Pandemie sicher niedergekämpft hätten (hohoho), aber auch weil wohl kein Politiker den Leuten Weihnachten und Silvester mit Freunden und Familien untersagen würde; es also vielleicht Anfang Januar noch gut möglich wäre, in Richtung Malaga weiterzusegeln. Was haben wir gelacht. Silvester in kleinster Runde, und auch danach extrem eingeschränktes Leben. Ganz neue Freizeitmöglichkeiten wurden erforscht – ein Spaziergang über die verschneiten Felder im Norden von Münchens, eine Stadtwanderung im Süden von München, leider ohne die erhoffte Leberkässemmel bei einem offenen Metzger. Wir haben beide Kontakt mit unseren Auftrag-/Arbeitgebern gehalten, ich durfte auch bei der virtuellen Weihnachtsfeier der PKF mitmachen, aber ich konnte auch nicht wirklich sinnvoll arbeiten – kein Vorwurf, ich hätte auch niemanden auf ein Projekt gesetzt, der klar sagt, dass er bei der nächsten Lockerung sofort wieder zum Segeln fliegt.

So war die Zeit tatsächlich „in Limbo“, eine im englischen übliche Redewendung, die es wohl auch in Deutsch gibt, wenn man genügend lange recherchiert. Gemeint ist der Limbus, der Vorhof zur Hölle, und im modernen Sinn ein Zustand in der Schwebe. Es hat sich bei mir herausgestellt, dass das komplette Aufräumen nicht dadurch umgesetzt wird, wenn man nur mal genug Zeit hätte, und so kann ich nur sagen: „ich habe viel geschlafen“. Am Ende waren wir fast fünf Monate in Deutschland, und damit fast doppelt so lang wie unsere Segelzeit bis dahin. Corona ist ein Riesenscheißdreck. Ich relativiere das natürlich beim Nachdenken. Ich ärgere mit über eine Unterbrechung eines Urlaubs während andere buchstäblich um ihre Existenz zittern müssen, aber emotional hat es dennoch geärgert. Als allerdings durch die Medien ging, dass die Balearen nun zum Osterurlaub wieder öffnen, haben wir Morgenluft geschnuppert, und wollten mit einem der Flieger nach Ibiza, die hauptsächlich auf dem Rückweg Münchner Osterurlauber wieder nach Hause bringen. Am 18. April haben wir dann einen günstigen Flug ergattert, und beschlossen, dass wir das jetzt einfach mal wieder probieren. Auch wenn uns vielleicht die x-te Welle in Spanien doch alle weiteren Pläne wieder kaputt macht; vielleicht können wir die Seestern zumindest in eine günstigere Pfütze überführen, die in Ibiza ist preislich mit einer 1 ½ Zimmer Wohnung in München zu vergleichen. Am Freitag der PCR Test mit negativem Ergebnis, dann mit etwas mehr Routine die Wohnung für ein paar Monate leerstehen vorbereitet, Kühlschrank wieder leergegessen und geräumt, aber da es diesmal ja kein ganzes Jahr sein soll, auch auf ein paar Maßnahmen verzichtet. Wer weiß, wann wieder zurück sind. Fingers crossed, Insh’allah.

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