Eine Geschichte, und die „Ich freue mich auf…“ Liste

Ganz ungewöhnlich, ich bin mit meinem Blog fast aktuell. Deshalb heute mal ein etwas anderer Eintrag:
Wings Air, die in der EU nicht zugelassene Fluggesellschaft, hat eine ungewöhnliche Grenze für aufgegebenes Gepäck: zehn Kilo. Dafür sind die Strafen für Übergepäck aber noch zu verkraften. Dementsprechend habe ich zwar ein paar der schwereren Gegenstände aus meiner großen Tasche/Rucksack ins Handgepäck verfrachtet, aber auf zehn komme ich damit nicht – und um fünf Euro zu sparen ist mir der Aufwand auch zu viel. So überrascht es mich nicht, als mir die Check-In Dame erklärt, dass meine Tasche zu schwer ist. Sie liegt teilweise auf der Seite der Waage, und deshalb werden nur 15,6 kg angezeigt. OK, sage ich, und zücke meinen Geldbeutel. Jaaa, das Problem ist, dass der Empfangsberechtigte für Zahlungen noch nicht da sei. Vielleicht könnte ich ja was aus der Tasche nehmen? Dazu wäre ich zwar bereit, aber auf zehn Kilo komme ich damit dennoch nicht. Hmmm, ja dann müssen wir jetzt warten. Es sieht so aus, als könnte das länger dauern. Da beschließe ich, es doch zu versuchen. Ich bekomme meine Tasche wieder, entnehme den Kulturbeutel (ca. 600 Gramm), und packe den in mein Handgepäck. Wegen Flüssigkeiten im Handgepäck hat hier noch niemand rumgeschissen. Die somit erleichterte Tasche gebe ich ohne Umweg über die Waage zurück und lächle. Die Check-In Dame lächelt auch, protokolliert zehn Kilo Gepäck, und hat ein Problem weniger. Ich auch.
Mit einigen meiner Leser bin ich ja auch per Mail oder sonstwie in Kontakt. Dabei werde ich öfters gefragt, ob ich denn Heimweh habe. Die Antwort immer: Ja, etwas schon, aber nicht genug um den Flug zu buchen. Auch ist es ein Thema, welches unter Reisenden immer wieder thematisiert wird. Man sitzt mit der Tauchergruppe beisammen, ca. die Hälfte sind mindestens drei Monate unterwegs. Meist fängt es mit Essen an, und weitet sich dann auf andere Aspekte der Kultur aus: Anna möchte mal wieder französischen Weichkäse, Sophie eine Wiener Mehlspeise, Sara den Kartoffelbrei, wie ihn ihr Vater zubereitet, und Felix freut sich auf klare Regeln im Straßenverkehr. Gemeinsam reden wir uns in einen Heißhunger, und bestellen danach Nasi Goreng. Auch lecker. So habe ich mal zusammengestellt, worauf ich mich freue. Die Liste ist nicht komplett, vielleicht gibt’s mal eine Version 2.0 von diesem Beitrag. Die Reihenfolge stellt übrigens keine Wertung dar.
• Das ich mich auf Familie und Freunde freue ist klar, dass muss ich wohl nicht extra ausführen.
• Duschen, ohne das Klo nass wird: Die meisten Unterkünfte der von mir gewählten Preisklasse haben ein Bad, welches letztendlich ein gekachelter Raum ist, in dem ein Klo und meist ein Waschbecken montiert ist. Irgendwo an der Wand hängt die Dusche, und in der Ecke des Raumes ist ein Ablauf. Die morgendliche Dusche spritzt somit das ganze Bad voll, ich versuche vorher das Klo zu nutzen, lagere das Klopapier außerhalb, und hoffe dass der Sitz bis zum nächsten Bedürfnis wieder trocken ist.
• Klopapier nicht im Extraeimer entsorgen: Die südostasiatische Kanalisation ist etwas schwächer dimensioniert, und verträgt laut der vielen Schilder kein Klopapier. Das sei bitte in dem zur Verfügung gestellten Abfalleimer zu entsorgen. Bäh, finde ich, und häufig vergisst man es einfach, weil man in seinem Hygieneablauf doch eingefahren ist.
• Elektroinstallationen, die man einfach benutzen kann: Ein Loblied auf deutsche Handwerksqualität – Lichtschalter und Steckdosen kann man bei uns einfach benutzen, eigentlich blind. Hier ist das nicht selbstverständlich, immer wieder kommen einem Kabel entgegen, oder man zieht am Stecker und hat die ganze Steckdose in der Hand. Bei Wasserhähnen ist es ähnlich – die meisten sind nicht mehr fest mit dem Waschbecken verbunden, dreht man am Griff, bewegt sich der ganze Hahn. Das haben übrigens auch die Australier nicht hinbekommen.
• Sich wieder mit Leitungswasser die Zähne putzen.
• Luftfeuchtigkeit unter 90% bei Temperaturen über 30°: Mal wieder zehn Minuten durch die Stadt schlendern, ohne komplett durchgeschwitzt zu sein.
• Einen Schrank für Hemden, eine Schublade für Unterwäsche: ich werde das morgendliche Wäsche aus der Tasche kramen und auch das ständige Packen nicht vermissen.
• Meine eigene Küche und Kühlschrank: Bis auf bei den Kochkursen habe ich nichts eigenes zubereitet, das geht mir ab.
• Überhaupt meine eigene Wohnung: Man kennt alle Lichtschalter, hat einen Platz für fast alles, man kann sich auf alles fläzen, ohne zu gucken, ob der Fleck in dem Polster nicht was sehr unappetitliches ist, hat ein sicheres Gefühl wenn man absperrt. Ich freue mich auch, diverse Verbesserungen an der Wohnung zu machen – mal wieder weißeln, Macken im Parkett beheben, und so einiges anderes.
• Laufen, ohne ständig auf den Boden gucken zu müssen: Das kann hier in Südostasien zu schlimmeren Verletzungen führen, wenn plötzlich ein Stück Bürgersteig fehlt.
• Mein eigenes Auto bzw. die problemlose persönliche Mobilität. Kein Handeln mit dem Taxifahrer, oder überhaupt mal einen finden. Auch die Mietwägen waren da nicht perfekt: Immer wird einem suggeriert, dass man noch die Zusatzversicherung braucht. Auch auf Straßenverkehr wie ich ihn gewohnt bin, mit etwas weniger Chaos, freue ich mich.
• Funktionierendes Internet und PCs: Ich will ja nicht zu sehr über das Netbook (Danke, Frank, für’s leihen!) schimpfen, immerhin sind alle bisherigen Artikel dieses Blogs darauf entstanden, aber es ist auch so frustrierend langsam und unterdimensioniert. Und dann noch das Internet hier – klappt’s gerade, geht was durch, verbindet sich das Gerät überhaupt…
• Zu wissen, wo man alles bekommt: Nicht zu unterschätzen – das Wissen, wo man Ersatz für alles Mögliche bekäme. Die Suche nach einem preiswerten USB-Stick kann hier Stunden dauern.
• Kein Kultur- und Besichtigungsstress: in München mal einen Tag nichts zu machen verursacht wesentlich weniger schlechtes Gewissen, als in einer exotischen Location mit weiter Anreise – habe ich einen wertvollen, sehenswerten Tempel verpasst?
• Selber aktiv zu werden, wenn man etwas haben will: Ich habe es satt, die Straße entlangzulaufen, und ständig gefragt zu werden: „Hello my friend, how are you? Where are you from? Do you want a taxi/massage/ecstasy/souvenirs/to eat here?“
• Das Thema Essen: Bergkäse, guter Käse überhaupt, geräucherter Schinken und Wurst, Wienerschnitzel, Kasspatzn, Spargel. Wahrscheinlich sollte ich anfangs nur unter Aufsicht einkaufen gehen.
• Das Thema Gastronomie: Ein Obatzda und eine Mass in der Forschung, überhaupt ein Münchner Biergarten, ein Ausflug zum Tegernseer Bräustüberl oder zum Kloster Reutberg, eine spanische Tapas-Bar, andere Spezialitätenlokale wie ein guter Italiener oder ein guter Grieche.
• Die Alpen und das Voralpenland allgemein. Nichts gegen paradiesische Inseln, aber München und Umgebung sind einfach schön.
• Das Verdauen und Aufbereiten der verschiedenen Erinnerungen: Bislang habe ich ca. 20.000 Fotos gemacht, und sortiere eigentlich nicht aus, weil das Beurteilen auf Kameramonitor oder dem kleinen Bildschirm hier echt mühsam ist. Aber daraus soll ja mal was werden, was ein Zuhörer auch verkraften kann. Ich freue mich auch schon auf das stöbern im Asia-Shop, um die Zutaten für die verschiedenen gelernten Rezepte aufzutreiben.
Zur Vollständigkeit: es gibt auch ein paar Sachen, auf die ich mich nicht so freue:
• Socken, Schuhe, lange Hosen u Hemden: Ich genieße Shorts und Flip Flops unheimlich.
• Hauptgerichte, die über fünf Euro kosten: Auswärts Essen in Deutschland wird ein kleiner Kulturschock.
• Einen geregelten Tagesablauf und Arbeiten: Ganz ehrlich: an das Lotterleben kann man sich gewöhnen. Ich hoffe, dass meine arbeitstechnischen Zukunftspläne sich erfüllen, und mir das wieder richtig Spaß macht, sonst… Aber ich habe von einigen gehört, dass man sich daran schneller gewöhnt, als man denkt.

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3 Antworten zu Eine Geschichte, und die „Ich freue mich auf…“ Liste

  1. Katrin sagt:

    … na, dann werde ich unseren alltag auch mal wieder etwas bewusster wahrnehmen … vielleicht solltest du das thema für dein startup etwas ändern und lieber individualreisen in bayern anbieten, so enthusiastisch wie du da gerade bist. liebe grüße aus dem aprilwetterigen münchen

  2. Andrea sagt:

    Ja, da können Sie geholfen werden… Neben der Käserei (hab grad einen super Taleggio und einen Schnittkäse am Start) hab ich ja jetzt auch mit Räuchern angefangen… Mein Kräuterspeck, ich sag’s dir…

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