Segeln

Weltumsegelung? Spannend wär’s schon. Vielleicht fange ich mal kleiner an. Aber die nächste Reise auf eigenem Kiel würde die Suche nach Hotelzimmern erübrigen, und auch der größte Teil der Reiseleistung wäre selber zu bewältigen.

Aber diese Seite erstelle ich nicht, um meine Sehnsüchte mitzuteilen. Diese Seite soll Sehnsüchte wecken. Sie soll helfen zu illustrieren, warum ich diese Lust in mir spüre. Denn Segeln ist:

  • Die teuerste Art sich langsam und unbequem fortzubewegen.
  • Wie vollständig angezogen unter einer kalten Dusche zu stehen, und alle paar Minuten ein Geldschein zu zerreißen.

Warum also segle ich so gerne? Ein paar Erklärungsversuche, und irgendwann mal viele Bilder.

  • Dieser Moment, wenn man den Motor ausmacht. Für Hafenmanöver nutzt man den Motor, außer man hat keinen oder ist ein echt cooler, erfahrener Hund. Beides trifft auf mich nicht zu. Also legt man in einer Dieselwolke ab, sorgt sich noch kurz, nix kaputt zu machen, tuckert vor den Hafen, räumt die ganzen Fender und Leinen auf, setzt das Segel (hoffentlich klemmt diesmal nichts) und dreht das Schiff so, das der Wind das Segel füllt. Dann macht man den Motor aus – und plötzlich hört man nur noch das Rauschen des Wassers und Windes. Gänsehaut jedes mal.
  • Das Wohnmobil am Marienplatz. Der Hafen war die Keimzelle manch einer Küstenstadt, und es gibt noch genügend dieser Stadthäfen wo man als Segler anlegen kann. Das ist dann ungefähr so, als würde man sein Wohnmobil am Marienplatz parken. Dann sitzt man bei einem Anlegeschluck direkt an der Hafenpromenade und genießt (das gebe ich zu) die neidischen Blicke thüringischer Touristen. Später findet man ein witziges Restaurant direkt im Zentrum, und wenn’s reicht, ist man in fünf Minuten auf dem Boot zurück. Morgens noch einen schnellen Espresso gegenüber vom Boot, und wir legen wieder ab.
  • Tagesausflügler fahren sehen. Seien wir ehrlich: es gibt kaum noch unentdecktes. Wirklich schöne Buchten und Inseln sind auch denen bekannt, die mit Tourismus ihr Geld verdienen; sie bieten dann Tagesausflüge mit dem Schnellboot an, inklusive Mittagspaket. Aber die Rückfahrt dauert zwei Stunden, und der Tourist will ja zurück zu seiner Halbpension, pauschal gebucht, und das ist very nice. Also leert sich ab 16:00 die Bucht, und man hat den Strand für sich alleine. Später schaut man bei einem Glas Rotwein der Sonne beim untergehen zu und freut sich über die Einsamkeit.
  • Das Ringen mit den Elementen. Natürlich fehlt bei einer modernen Yacht ein Teil des Abenteuers, den frühe Seefahrer hatten. Die Windfinder-App warnt vor aufkommenden Sturm, der Motor lässt die Flaute vergessen, der Revierfūhrer bietet neben der genauen Beschreibung des unbekannten Hafens auch die Telefonnummer des Hafenmeisters um einen Liegeplatz zu reservieren. Aber trotzdem – wenn man unterwegs ist, hängt man von den Naturgewalten ab. Wenn’s haarig wird, kann man nicht kurz am Rand anhalten bis die Situation wieder einfach ist. Man muss irgendwie weiter in den Hafen, und dort anlegen (welches eigentlich das schwierigste am Segeln ist). Wenn dann das Schiff sicher liegt, ja, dann fühlt man sich schon irgendwie als hätte man gewonnen.

(ich stelle ja fest, dass ich jetzt – lange nach der Reise weswegen ich den Blog mal anfing – recht oft im Gespräch mit Freunden schnell das Internet bemühe um mal ein Foto zu zeigen; das gepflegte Album mit dem besten Bildern aus x Jahren auf dem Schlaukasterl ist nicht meine Stärke.

Mittlerweile hat es sich wohl rumgesprochen: Ich bin 50% Eigentümer der Segelyacht Seestern, eine Hallberg Rassy 42E. Und wo die gerade ist, könnt Ihr zB auf der Website von MarineTraffic.com sehen. Sucht nach der MMSI 211805190.

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