Kaufformalitäten – zweiter Anlauf

Auch im Fall der Giggles ist der Kaufprozess nicht direkt – zügig. Das Schiff gehörte mal einem Holländer – Bennie – der damit um die Welt segelte, aber in Thailand so krank wurde, dass er aufgeben musste, und das Schiff huckepack per Schiff zurück nach Europa bringen ließ. Eineinhalb Jahre später starb er, und seine beiden Kinder erbten das Schiff und wollten – oder konnten – es nicht behalten. Sein Sohn wohnt in Portugal, seine Tochter in Holland, der englische Makler in Griechenland ist im Urlaub, sein Kollege aus UK versucht zu helfen, und wir brauchen noch einen Sachverständigen den wir uns weder vom Verkäufer noch Makler vorschlagen lassen wollen. Immerhin verwendet der Makler den gleichen Vertrag wie wir ihn schon im Falle der Pennypincher genau durchgelesen haben, wir unterschreiben schnell, leisten unsere 10% Anzahlung, organisieren alles andere ohne schuldhaftes Zögern – trotzdem vergeht ein Monat bis wir die Probefahrt organisiert bekommen. Am 17.7 sind wir wieder in Preveza, am 19.7. findet endlich die Probefahrt statt. Für mich verläuft sie wie im Traum.

Es ist ein schöner Tag, schöner Wind, und das Schiff auf dem wir fahren gehört uns, wenn wir nur nicken. Statt wie geplant alle Winkel und Ecken zu durchstöbern, auch die unwichtigeren Systeme wie Toilette, Wasserpumpen, Herd usw. zu probieren, stehen wir an Deck, lassen uns den Wind durch die Haare blasen und freuen uns. Immerhin stellen Frank und der Gutachter fest, dass die Lichtmaschine am Motor dessen Batterie nicht lädt. So wissen wir am Ende des Tages: das Schiff schwimmt, der Motor läuft, die Segel sind da und lassen sich aufziehen, die Ankerwinsch funktioniert und wir werden Giggles kaufen. Am Ende der Fahrt bittet Roderick, der Sohn, ob er noch ein paar Minuten am Steuer fahren könnte – er wäre recht wehmütig, seines Vaters Schiff nun verkaufen zu müssen.

Doch Schluss mit der Harmonie – wir versuchen noch rauszuhandeln, dass Roderick noch auf seine Kosten das Thema mit der nicht-ladenden Batterie behebt, und ernten immerhin ein ‚er will’s versuchen‘. Leider lehnt er ab, trotz Kaufzusage unsererseits uns die nächsten paar Tage auf dem Schiff verbringen zu lassen. Wir hätten die Zeit gerne genutzt, um noch eine genaue Inventur zu machen; uns zu überlegen was wir in die Wege leiten müssen usw. Also verabschieden wir uns von Giggles, und versuchen trotzdem ein paar Sachen zu organisieren:

  • Sobald uns das Schiff gehört, ist es unser Problem wo es schläft. Kein Problem, wir gehen zum Marinabüro und reservieren einen (Wasser-)Liegeplatz für einen Monat. Doch Problem – die Marina ist ausgebucht. Aber wir können das Schiff gerne wieder aus dem Wasser holen und an Land stellen. Also wieder Kosten für Kran usw…
    Auch im näheren Umfeld finden wir kein Plätzchen im Wasser, und so versuchen wir das beste Angebot der drei Werften in Aktio zu finden. Wir können die Zeit an Land auch gleich dazu nutzen, ein Bugstrahlruder einzubauen.
  • Bugstrahlruder – nach allem was wir gehört haben, lässt sich ein moderater Langkieler wie die Hallberg-Rassy 42E rückwärts fast nicht steuern. Wir glauben zwar, dass man das mit viel Übung auch hinbekommt, aber da wir das Schiff auch mal an Freunde verleihen würden und die Häfen besonders im Mittelmehr immer enger werden haben wir beschlossen, ein Bugstrahlruder einzubauen (Das ist ein elektrisch betriebener Propeller in einer Querröhre am Bug, mit dem man das Schiff auch ohne Fahrt drehen kann). Die Ionian Marina kann uns neben einem Stellplatz noch Panos für die GFK-Arbeiten und Dimitri für die notwendige Elektrik empfehlen. Wir treffen uns mit beiden und organisieren das.
  • Der Name – eigentlich bringt es Unglück, Schiffe umzubenennen*, aber wir haben auf der Suche nur wenige Namen gesehen, die wir beibehalten hätten (zB Squander  – englisch für ‚Verschwenden‘), und Giggles gehört nicht dazu. In einem mehrstufigen Auswahlverfahren haben wir uns auf „Seestern“ geeinigt (gewonnen gegen Balu, Calypso , Blue Pearl, Falbala und 25 andere Namen), und als Heimathafen Übersee am Chiemsee ausgewählt (Forderung des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie: eigenständige Gemeinde an einem schiffbaren Gewässer, und mit Übersee hat’s feines Potenzial für Wortspiele).
    Frank und ich sind vom Typ her eigentlich eher für Arial bold, also eine eckige, serifenlose Schrift. Aber diverse Fotomontagen überzeugten nicht, und eine Anfangs als Witz eingebrachte Idee beginnt sich zu verselbstständigen. Am Ende landen wir bei einer nautisch abgewandelten Version von „Jokerman“, packen noch ein paar Designelemente dazu, und finden sozusagen Grundelemente unserer „corporate identity“

*Warum bringt es Unglück, ein Schiff umzubenennen? Die Seefahrt war früher gefährlicher als heute, und manche Schiffe waren weniger seetüchtig und schlechter geführt als andere. So kam es auch vor, dass Schiffe in den Hafen kamen, deren restliche Besatzung nur knapp überlebt hat. Das sprach sich rum, so dass keine Seeleute mehr auf der RMS Risiko anheuern wollten. Um das zu vermeiden, wurde das Schiff unbenannt. Wenn also ein Seemann mitbekam, dass das Schiff früher einen anderen Namen hatte, wusste er sofort – das Schiff bringt Unglück. Natürlich ist das für heute alles Aberglaube, betrifft uns nicht, aber die abwehrenden Maßnahmen lt. Aberglaube können ja nicht schaden, isb. wenn sie damit verbunden sind, Alkohol zu konsumieren.

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